Verluste
Fiat kommt nicht aus der Krisenzone

Ohne die florierende US-Tochter Chrysler stünde es schlecht um Fiat. Dem italienischen Autobauer machen Krise und Rezession zu schaffen. Auch der Ausblick für die kommenden beiden Jahre ist düster.
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Turin/Auburn HillsDer kriselnde italienische Autobauer Fiat hält sich weiter nur dank des florierenden Geschäfts der US-Tochter Chrysler über Wasser. Wie der Konzern am Dienstag in Turin mitteilte, erzielte die Gruppe im dritten Quartal einen Nettogewinn von 286 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vergleichsquartal 2011 (112 Millionen Euro). Fiat allein hätte im dritten Quartal allerdings einen Verlust von 281 Millionen Euro eingefahren. Im zweiten Quartal 2012 hatte die Gruppe noch 358 Millionen Euro Nettogewinn verzeichnet, der Verlust von Fiat allein lag bei 246 Millionen Euro. Der Autobauer kassierte die Prognose für die beiden kommenden Jahre.

Chrysler hatte am Montag mitgeteilt, in dem Quartal den Gewinn auf 381 Millionen Dollar beinahe verdoppelt zu haben. Dank der Kauflust der Amerikaner konnte Chrysler seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 15,5 Milliarden Dollar steigern (zwölf Milliarden Euro). Die Verkäufe nahmen um 12 Prozent auf 556.000 Autos zu. Damit setzt Chrysler seinen Erfolgskurs fort.

Der Gesamtumsatz der Fiat-Gruppe, also mit dem US-Partner, stieg um 16 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro. Fiat leidet stark unter schrumpfenden Verkäufen in Europa und dabei vor allem in Italien selbst. Fiats Anteil am europäischen Automarkt, der 2009 noch bei etwa acht Prozent lag, ist im drittel Quartal auf 5,9 Prozent gefallen. Dabei ging die Nachfrage in Italien sogar um 23 Prozent zurück.

In den ersten neun Monaten machte die Gruppe einen Nettogewinn von etwas mehr als einer Milliarde Euro. Ohne Chrysler hätte es in diesem Zeitraum einen Verlust von 800 Millionen Euro gegeben, verglichen mit den 1,2 Milliarden Euro Gewinn des Vorjahreszeitraums, teilte Fiat mit.

Angesichts der anhaltenden Schwäche kassierte der Konzern seine Ziele für Umsatz, Absatz und Handelsgewinn der beiden kommenden Jahre. So senkte der Konzern seine Erwartung an den Handelsgewinn 2014 um rund ein Drittel auf noch 4,7 bis 5,2 Milliarden Euro. Der Umsatz 2013 soll zwischen 88 und 92 Milliarden Euro und 2014 zwischen 94 und 98 Milliarden Euro liegen, der Absatz 2013 zwischen 4,3 und 4,5 Millionen Autos und ein Jahr später zwischen 4,6 und 4,8 Millionen. Die Gewinnschwelle für die Region Europa, Naher Osten und Afrika soll den Angaben nach 2015/2016 erreicht werden.

Fiat-Boss Sergio Marchionne wollte noch am Dienstag mit den italienischen Gewerkschaften beraten, wie auf die sinkenden Verkäufe in Europa reagiert werden könnte. Es geht auch darum, die Schließung eines der fünf Standorte im Land zu vermeiden.

Trotz der sinkenden Verkäufe in Europa solle kein Werk geschlossen werden, bekräftigte Marchionne. Vielmehr sollten bei überschüssigen Kapazitäten dort Autos für nichteuropäische Märkte gebaut werden. „Ich denke, das ist die beste wirtschaftliche Wahl, die wir treffen können“, so Marchionne. Die italienischen Werke sollten neue Modelle für Alfa Romeo, Maserati und Jeep bauen, die dann global vermarktet würden. Es wäre unsinnig, Werke in Europa zu schließen, wenn man dann neue anderswo errichten müsste, um die wachsende Nachfrage in Nordamerika, Lateinamerika und Asien zu befriedigen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Lieber Herr Arminius,
    1. Wir Deutsche leben z.Z. wie Gott in Frankreich und z.T. auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit dank unseres Leistungsbilanzüberschusses exportieren (16 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit circa 17 Jahren)
    2. Die paar Milliarden die wir jährlich netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
    3. Den meisten Deutsche geht es besser als anderen EU-Bürger, außerdem ist es egal wie es den anderen EU-Ländern geht, und wenn in Griechenland, Spanien und Portugal die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50% liegt, wen juckt denn das? Den Herr Weidmann und Sie bestimmt nicht und mich schon gar nicht!
    4. Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wurde nie vereinbart, also sollen die arme Länder immer ärmer werden und die reiche immer reicher. So verstehe ich die von der deutsch-französische Achse diktierte EU-Verträge.
    5. Sollte uns etwa nicht passen dann können wir aus der EU und EURO austreten, wir werden nicht unbedingt gebraucht. Zur Zeit des Römischen Reich hat Germanien auch nicht zu Europa gehört!
    Und da lief in Europa alles bestens, ohne uns!

  • Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Dazu kommt dass die Gewinne die deutsche Konzerne über den Export in Italien erzielten sehr oft nicht in Italien sondern in Nicht-Euro-Ausland reinvestiert wurden, besonders in die ehemalige Länder des Ost-Block.
    „Made in Italy kaufen“ ist der beste Ratschlag den man in dieser Lage den Italiener heute geben kann.

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