Veröffentlichung der Quartalszahlen
Bei Bilanzen hinken Europäer den USA hinterher

Wenn SAP in zehn Tagen seine Ergebnisse zum dritten Quartal präsentiert, haben Alcoa, Pepsi Cola und etliche andere amerikanische Konzerne bereits ihre Zahlen vorgelegt. Doch in Deutschland sind die Walldorfer Nummer eins. Wieder einmal. Ein Blick zurück zeigt: Die Softwareschmiede berichtet immer als einer der ersten deutschen Konzerne. Sowohl fürs Quartal wie fürs Jahr.

p>DÜSSELDORF. In den USA gehört es zur guten Tradition, dass der Aluminiumspezialist Alcoa den Quartalsreigen eröffnet. Hingegen kommt es in Deutschland unter den Konzernen im Deutschen Aktienindex (Dax) regelmäßig zum heißen Kampf um Platz eins bei der Bekanntgabe von Gewinn, Umsatz und dem gewagten Ausblick in die Zukunft. Dass sich dabei SAP im Durchschnitt aller Quartale in den vergangenen Jahren an die Spitze setzte, verwundert kaum. „Wir nutzen unsere eigene Software. Wie schnell und zuverlässig sie ist, zeigen wir mit der raschen Berichterstattung“, sagt ein SAP-Sprecher. Die frühe Präsentation ist also Werbung in eigener Sache.

Ganz vorne mit dabei und bisweilen sogar auf Platz eins – zuletzt im Januar – ist in Deutschland ein zweiter Technologiekonzern, Infineon. Doch an der Börse, wo Psychologie stets eine große Rolle spielt, empfinden Anleger und Analysten es eher als Segen, wenn der Chiphersteller nicht die Hitliste anführt. Denn als einziger Dax-Konzern präsentiert die Siemens-Tochter ihren Anlegern Quartal für Quartal Verluste. Solch ein schlechter Start in die Berichtssaison setzt kein gutes Omen.

Schaut man auf die Lahmsten, lassen sich keine Muster erkennen. Niemand möchte schließlich dauerhaft seine Anleger am längsten im Ungewissen lassen. Für 13 der 30 Dax-Konzerne gilt, dass sie sich wegen ihrer zusätzlichen Präsenz an der Wall Street nie viel Zeit mit ihren Berichten lassen dürfen. Denn sechs Wochen nach Quartals- und Jahresabschluss sollten Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt haben, wenn sie auch an der US-Börse notieren.

Auffällig ist, dass deutsche und europäische Unternehmen mit ihren Ergebnissen immer schneller an die Öffentlichkeit gehen. Bei den Jahresbilanzen verkürzten die 100 größten deutschen börsennotierten Unternehmen in den vergangenen drei Jahren ihre Abschlusszeiten um 16 Tage. Das zeigt eine Vergleichsstudie von BPM International. Das europäische Beratungsnetzwerk untersuchte 527 Unternehmen in sieben europäischen Ländern und den USA. „Abschlusszeiten sind eine Schlüssel-Benchmark für viele Finanzvorstände und Analysten“, sagt BPM-Chef David Jones.

Bei den endgültigen, also testierten Abschlüssen verringerte sich der Abstand zwischen europäischen und US-amerikanischen Konzernen von 26 auf nur noch neun Tage. Bis zu der für jedermann einsehbaren Veröffentlichung benötigten die Unternehmen in Europa durchschnittlich 64 Tage, in den USA 55 Tage. Am schnellsten sind in Deutschland Puma (innerhalb von 25 Tagen ab Bilanzstichtag), Henkel (30 Tage) und Beiersdorf (40 Tage). Um mindestens 15 Prozent verkürzten Adidas, BASF, Continental, Deutsche Telekom, Linde, Beiersdorf und Techem den Zeitraum bis zur Veröffentlichung. Dennoch, bei den ganz Großen bleibt der Abstand deutlich: Wenn gerade mal eine Hand voll Dax-Konzerne ihre Zahlen präsentiert haben, haben in den USA bereits über 70 Prozent der Top 100 ihre Ergebnisse veröffentlicht. Ganz besonders schnell sind neben Alcoa Technologiefirmen wie Cisco, Dell, IBM, aber auch die Finanzdienstleister Lehman Brothers und JPMorgan.

Bei den vorläufigen Ergebnissen haben niederländische und britische Unternehmen innerhalb Europas die Nase vorn. Deutschland und Österreich zieren wie schon in den vergangenen Jahren das Schlusslicht unter den großen Volkswirtschaften. Doch immerhin holen sie auf: In beiden Ländern verringerten über 60 Prozent der größten Konzerne ihre Zeiten um mehr als zehn Tage.

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