Verpackungsspezialist
Australier übernehmen Ifco für eine Mrd. Euro

Nach turbulenten Jahren hat der Verpackungsspezialist Ifco einen neuen Eigentümer gefunden. Der australische Konkurrent Brambles lässt sich die Übernahme des deutsch-niederländischen Konzerns knapp eine Mrd. Euro kosten. Zwar verliert Ifco dadurch seine Unabhängigkeit. Vorstandschef Karl Pohler sieht aber auch Vorteile.
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MÜNCHEN. Durch den Zugriff auf das Kapital des australischen Konkurrenten Brambles könne der Verpackungsspezialist Ifco nun noch aggressiver expandieren, sagt der Ifco-Chef Karl Pohler dem Handesblatt. Größere Einschnitte seien auch nach der Übernahme nicht zu befürchten. "Es gibt kaum Überlappungen."

Ursprünglich hatte der Mehrheitseigentümer Apax im Frühjahr seine Aktien über eine Zweitplatzierung an der Börse loswerden wollen. Doch das Umfeld war schlecht, die Griechenland-Krise drückte die Stimmung. Daher wurde die Platzierung in letzter Minute abgesagt.

Apax macht nun trotzdem seinen Schnitt. Die Australier zahlen 13,50 Euro pro Aktie, was im Mai bei der geplanten Zweitplatzierung auch das obere Ende der Preisspanne war. Apax ist in einer existenziellen Krise bei Ifco eingestiegen und hat seinen Einsatz vervielfacht.

Ifco verleiht hauptsächlich Lebensmittelkisten aus Plastik, mehr als 100 Mio. Klappkisten sind im Bestand. Das Unternehmen war vor zehn Jahren mit hochfliegenden Plänen an der Börse gestartet. Die Obstkisten würden mit Chips versehen, versprach das damalige Management und weckte so Hightech-Fantasien. Aus der elektronischen Spielerei wurde nie etwas, die Firma stand später kurz vor der Pleite.

Inzwischen hat die Firma ein zwar vielleicht langweiligeres, aber solides Geschäftsmodell. Der Umsatz wächst prozentual zweistellig und lag zuletzt bei knapp 740 Mio. Dollar. Das operative Ergebnis (Ebitda) solle bei Ifco im laufenden Geschäftsjahr von 129 auf 170 Mio. Dollar steigen, kündigten die Australier an.

Brambles ist der weltgrößte Paletten-Hersteller und daneben noch in der Akten-Archivierung und-Vernichtung tätig. Ifco soll als eigene Sparte drittes Standbein werden. Das Management will an Bord bleiben: "Wir sind bereit, unsere Verträge bis 2014 zu erfüllen. Das Wachstumspotenzial ist da, es macht Spaß", sagte Pohler. Regional will er von der Anbindung an Brambles profitieren: "Wir wollen in China wachsen, und Brambles hat dort schon eine Infrastruktur."

Der Streubesitz von Ifco liegt bei etwa fünf Prozent, das Unternehmen wird wohl von der Börse genommen. Die Offerte entspricht einem Börsenwert von 696 Mio. Euro, dazu kommen 227 Mio. Euro Schulden.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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