Versammlung
Gläubiger liquidieren Yukos

Der russische Ölförderer Yukos ist von seinen Gläubigern für bankrott erklärt worden. Deshalb soll das Unternehmen nun aufgelöst werden. Es ist der vorläufige Schlusspunkt eines der spektakulärsten Wirtschaftskrimis der letzten Jahre, der das Ansehen Russlands schwer beschädigt hat.

ap MOSKAU. Die Gläubigerversammlung stimmte am Dienstag in Moskau für die Liquidation des Unternehmens. Einen vorliegenden Wiederaufbauplan hatten die Gläubiger abgelehnt. Stattdessen wurden die Justizbehörden ersucht, einen so genannten Liquidator zu bestellen. Darüber soll am 1. August gerichtlich entschieden werden. Nach den russischen Steuerbehörden ist der staatlich kontrollierte russische Öl- und Gaskonzern Rosneft der zweitgrößte Gläubiger von Yukos.

Die Entscheidung fiel, nachdem der Konkursverwalter Eduard Rebgun erklärt hatte, Jukos könne innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen seine Schulden nicht zurückzahlen. Nach Informationen des zurückgetretenen Jukos-Chefs Steven Theede wird der Wert des Unternehmens mit umgerechnet 12 Mrd. Euro eingestuft, die Schulden mit 13,6 Mrd. Euro. Der Konkursverwalter nennt einen Unternehmenswert von 14 und Schulden von 14,5 Mrd. Euro.

Yukos-Chef erhebt schwere Vorwürfe

Theede hatte am vergangenen Donnerstag seinen Rücktritt eingereicht mit der Begründung, Konkursverwalter Rebgun habe ohnehin schon entschieden, dass es zur Liquidation von Jukos keine Alternative gebe. Vor diesem Hintergrund sei die Gläubigerversammlung „eine Scharade“. Es handele es sich um eine fingierte Veranstaltung mit dem Ziel, Yukos komplett zu ruinieren.

Er selbst habe alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den Wert des Unternehmens nach dem Verkauf von Juganskneftegas zu halten oder zu steigern. Theede bezog sich damit auf die umstrittene Zwangsversteigerung der westsibirischen Produktionseinheit im Jahr 2004. Auch sei es ihm nicht gelungen, den Börsengang des Käufers von Juganskneftegas, Rosneft, zu verhindern, erklärte Theede weiter. Mit dem Börsengang werde der Verkauf von gestohlenem Eigentum zementiert, erklärte Theede.

Rosneft-Aktien waren in der vergangenen Woche erstmals auch an der Börse in London gehandelt worden. Das Debüt war aber bis zuletzt fraglich gewesen, da Yukos bei Gericht den Stopp beantragt hatte. Ein Richter hatte dies aber abgewiesen. Yukos hat den Käufern von Rosneft-Aktien lebenslange Klagen angedroht.

Yukos-Gründer sitzt ein

Yukos gehörte dem mittlerweile inhaftierten Kritiker von Präsident Wladimir Putin, Michail Chodorkowski. Beobachter haben das Verfahren gegen Chodorkowski und die Yukos-Zerschlagung als politisch motiviert bezeichnet, unter anderem, weil der einst reichste Mann Russlands Ambitionen auf das Präsidentenamt hatte erkennen lassen. Chodorkowski ist wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Gefängis verurteilt worden.

Der jetzige Haupteigentümer von Yukos, die Menatep Gruppe, hatte im Vorfeld der Gläubigerversammlung angekündigt, keinen Vertreter zu dem Treffen in Moskau zu schicken – aus Angst vor Festnahmen durch die russischen Behörden.

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