Verschmelzung mit Porsche
Volkswagen kann sich den Komplettkauf leisten

Die Nettoliquidität des Konzerns steigt auf fast 20 Milliarden Euro. Mögliche Belastungen aus einer Integration der Porsche AG könnte VW damit wohl verkraften. Wachstumstreiber des Konzerns bleibt die große Nachfrage in China.
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HAMBURG. Europas größter Autobauer Volkswagen kann sich den immer wahrscheinlicher werdenden Komplettkauf des Sportwagenbauers Porsche AG finanziell leisten - denn der Autoabsatz brummt. In der Kasse der Wolfsburger haben sich unter dem Strich gut 19,6 Mrd. Euro angesammelt. Das geht aus den von VW veröffentlichten Eckdaten für die ersten neun Monate 2010 hervor. Demnach legte die Netto-Liquidität seit Jahresbeginn um neun Mrd. Euro zu.

Vorige Woche hatte VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch klargestellt, dass es bei der eigentlich für das zweite Halbjahr 2011 geplanten Verschmelzung zwischen VW und Porsches Dachgesellschaft SE zu Verzögerungen kommen könnte. Schuld sind rechtliche und steuerliche Probleme.

Möglicherweise wird die Verschmelzung sogar abgesagt, und VW erwirbt alternativ mittels vorhandener Optionen ab März 2013 die restlichen 50,1 Prozent an Porsches operativem Geschäft, der Porsche AG. Dafür müssten die Wolfsburger vereinbarungsgemäß einen Festpreis von 3,9 Mrd. Euro zahlen.

Dazu kommen 3,55 Mrd. Euro für die mit Porsche vereinbarte Übernahme der Salzburger Autohandelsgruppe.

Angesichts der hohen Nettoliquidität, die nach Kapitalerhöhung im Frühjahr und profitablem Geschäftsverlauf gestiegen ist, kann sich VW den Deal auf dem voraussichtlich teureren Weg leisten. Pötsch hatte unterstrichen, dass derjenige, "der auf den Knopf" drückt, die Steuern in Milliardenhöhe zu tragen habe - zieht Volkswagen die Option für das verbleibende Paket am Sportwagenbauer Porsche AG, müssten die Wolfsburger die Forderungen des Fiskus begleichen.

Am Mittwoch legen die Niedersachsen detaillierte Quartalszahlen vor. Mit den vorgezogenen Rumpfdaten wollte man pessimistischeren Erwartungen des Marktes entgegentreten, heißt es in Wolfsburg. Analysten hatten für das dritte Quartal ein operatives Ergebnis in Höhe von 1,2 Mrd. Euro erwartet, Volkswagen erzielte aber fast zwei Mrd. Euro. Das operative Ergebnis für die ersten neun Monate 2010 in Höhe von 4,8 Mrd. Euro stieg im Vergleich zum selben Zeitraum des Krisenjahres 2009 um 3,3 Mrd. Euro. Der Umsatz legte um fast 20 Prozent auf 92,5 Mrd. Euro zu. Wachstumstreiber bleibt die große Nachfrage in China.

Der Konzern selbst bleibt seiner Linie treu und dämpft die Erwartungen für den Rest des Jahres. Die Entwicklung der ersten neun Monate werde sich "im vierten Quartal nicht mehr so stark fortsetzen", teilte VW mit.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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