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CO2-Speicherung spaltet Firmen und Politik

Es ist schon ein beißende Ironie: Beinahe gleichzeitig fielen heute Nachmittag in Berlin zwei klare Aussagen zur Speicherung des Treibhausgases Kohlendioxid. Während der Energiekonzern Vattenfall dessen Vorzüge lobt, haben die Fraktionen von CDU/CSU und SPD das entscheidende Gesetz gestoppt. Nun weiß keiner mehr, wie die Klimaschutzziele eingehalten werden sollen.

HB BERLIN. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall will die Technologie zur unterirdischen CO2-Speicherung (CCS) möglichst schnell einführen. Dieses Verfahren bei der Kohleverstromung müsse sich international durchsetzen, damit die Klimaschutzziele erreicht werden könnten, sagte Vattenfall-Chef Lars Josefsson in Berlin. Kohlendioxid (CO2) wird für den Treibhauseffekt verantwortlich gemacht.

Josefsson sagte, unter den fossilen Brennstoffen werde Kohle in den kommenden Jahren noch stärker genutzt werden als derzeit. „Ohne Kohle wird's nicht gehen, aber mit Kohle ohne Abscheidung von CO2 wird's auch nicht gehen“, stellte er fest. In Ostdeutschland nutzt die Tochter Vattenfall Europe überwiegend Braunkohle zur Stromerzeugung. Ein Gesetz zur CO2-Speicherung wird noch im Bundestag beraten, in der Unionsfraktion gibt es Vorbehalte.

Die Abkürzung CCS steht für Carbon Capture and Storage. Das CO2 soll bei der Kohleverbrennung abgespalten und dann in tiefen Gesteinsschichten gelagert werden, so dass es nicht in die Atmosphäre gelangt. Manchen Experten bezweifeln, dass das CO2 dauerhaft in der Erde bleibt. Joseffson sagte, die CCS-Technologie sei eine Übergangslösung, allerdings „für mindestens 20 oder 30 Jahre“. Erst dann dürften neue, bessere Verfahren anwendungsreif sein. Er glaube nicht, dass die Menschen Angst vor dieser Technologie hätten, sie wüssten noch zu wenig darüber.

Das Umweltbundesamt warnte davor, die Rolle von CO2-Speichern zu überschätzen. „Die Technik zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid ist kein Allheilmittel für den Klimaschutz, allenfalls eine Übergangstechnik, die zudem erst mittelfristig verfügbar ist“, sagte Vizepräsident Thomas Holzmann der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch). Wichtiger sei es, jetzt mit aller Kraft die Techniken voranzubringen, die Kohlendioxid schon heute kostengünstig vermieden - „vor allem erneuerbare Energien und eine deutlich gesteigerte Energieeffizienz“. Die Behörde hält aber eine schnelle Verabschiedung des geplanten CCS-Gesetzes für wichtig, um die Technik „in einem geordneten Verfahren zu erforschen“.

Josefsson bekannte sich auch zur Atomenergie. „Wir stehen vor einer Renaissance der Kernenergie“, sagte er. Bei Vattenfall werde sie „auch langfristig eine Zukunft haben“. Er verwies auf die Kehrtwende der schwedischen Regierungspolitik. Alte Atomreaktoren könnten nun wieder durch neue ersetzt werden. Die Chancen für einen Ausstieg aus dem Atomausstieg in Deutschland wollte Josefsson nicht bewerten. „Wir respektieren das Atom-Ausstiegsgesetz“, sagte er. Umfragen zeigten in der deutschen Bevölkerung aber auch einen leichten Trend pro Kernkraft. Vattenfall betreibt in Deutschland die Atomkraftwerke in Krümmel und Brunsbüttel. Nach Störfällen ist Krümmel seit wenigen Tagen wieder in Betrieb, Brunsbüttel noch nicht.

Nur wenige hundert Meter entfernt fällt die Politikl zeitgleich eine Entscheidung, die Vattenfall und anderen Versorgern nicht gefallen dürfte – dafür aber Umweltschützern: Die Fraktionen von CDU/CSU und SPD konnten sich nicht auf einen einheitlichen Entwurf für das sogenannte CCS-Gesetz einigen. SPD-Vizefraktionschef Ulrich Kelber zeigte sich empört und wies CDU und CSU die Verantwortung zu.

Nach Kelbers Worten hat Unionsfraktionschef Volker Kauder am Mittwoch offiziell seinen SPD-Kollegen Peter Struck informiert, dass das CCS-Gesetz nicht wie geplant nächste Woche verabschiedet werden solle. Damit hat es vor Ende der Legislaturperiode keine Chance mehr.

Das Gesetz gilt als Voraussetzung dafür, dass die neue Technik zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid getestet und zur Marktreife entwickelt werden kann. Die Technik soll vor allem den Kohlendioxid-Ausstoß aus Kohlekraftwerken drastisch vermindern und sie somit klimafreundlicher machen.

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