Versorger
Emissionshandel bringt neue Milliardenlasten

Wenn ab 2013 Zertifikate für den Kohlendioxidausstoß gehandelt werden, könnte das den Stromkunden teuer zu stehen kommen. Die jährliche Stromrechnung könnte um 90 Euro pro Kunde steigen, schätzen Interessensvertreter der Energiebranche. Noch härter treffe der Emmissionshandel die energieintensiven Unternehmen.

BERLIN. Seit dem 22. September gibt es keinen Zweifel mehr: An diesem Tag erklärte die Energiewirtschaft ganz unverblümt, die geplante Versteigerung der Kohlendioxidzertifikate ab 2013 werde „für alle Stromkunden eine Mehrbelastung von mehr als zwölf Milliarden Euro bedeuten“. Für den durchschnittlichen privaten Stromverbraucher stelle dies eine Erhöhung der Stromrechnung um jährlich 90 Euro dar, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) weiter mit. Für große Stromverbraucher in der Industrie geht es um weitaus höhere Beträge. Entsprechend deutlich fällt ihre Kritik an der Versteigerung aus.

Noch in dieser Woche sollen die Details der Auktionierung beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen werden. Im Moment wird hinter den Kulissen um die Details gerungen. Geht es nach den Vorstellungen der EU-Kommission, müssen die Stromerzeuger ab 2013 alle Emissionsberechtigungen, die sie für den Betrieb ihrer Kraftwerke benötigen, kaufen. Im Moment bekommen sie den größten Teil der Zertifikate noch geschenkt.

Die Energiebranche bekämpft diesen Vorschlag seit Monaten. Sie fordert für neue, besonders effiziente Kraftwerke zumindest teilweise kostenlose Zertifikate oder aber für alle Kraftwerke einen schrittweisen Einstieg in die Auktionierung. Unterstützung erhält die deutsche Stromwirtschaft aus Osteuropa. Neun osteuropäische Staaten wollen beim EU-Gipfel Sonderrechte für ihre stark auf Kohle basierende Kraftwerkswirtschaft aushandeln. Die französische Ratspräsidentschaft hat sich den Osteuropäern gegenüber bereits zu Zugeständnissen bereiterklärt; ob davon auch die deutschen Unternehmen profitieren werden, ist nicht klar. „Es ist im Moment nicht überschaubar, wohin die Reise geht. Das wird sich alles auf den letzten Metern des EU-Gipfels entscheiden“, sagte ein Energiemanager gestern.

Wie die Debatte auch immer ausgehen mag – schon jetzt steht fest, dass die Stromkonzerne Milliardenbeträge für den Kauf von Zertifikaten werden ausgeben müssen. Sollte es noch Übergangsfristen geben, würde der vom BDEW veranschlagte Betrag von „mehr als zwölf Milliarden Euro“ nicht ab 2013 fällig, sondern wenige Jahre später. Ob die Konzerne die Mehrkosten tatsächlich komplett auf ihre Kunden abwälzen können, ist nicht unumstritten. So sagt etwa Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) voraus, dass die Versorger bei wachsendem Wettbewerb auf dem Energiemarkt auf dem größten Teil der Kosten sitzen bleiben.

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