Versorger
EnBW befürchtet deutlichen Absatzeinbruch

Der baden-württembergische Energieversorger EnBW befürchtet wegen der Wirtschaftskrise in diesem Jahr Einbußen beim Stromabsatz von bis zu vier Mrd. Kilowattstunden. Das sei etwa doppelt so viel, wie ganz Karlsruhe übers Jahr an Strom verbrauche.

HB MÜNCHEN. Villis verwies in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" auf die eingeschränkte Produktion etwa bei Daimler oder der Automobilzulieferer- und Maschinenbau-Industrie. "Ich kann nicht ausschließen, dass wir bis zu zehn Prozent Absatz an unsere Großkunden verlieren."

Beim geplanten Wachstum wolle sich das Unternehmen, an dem der französische Staatskonzern Electricite de France (EdF) mit gut 45 Prozent beteiligt ist, aufs Inland konzentrieren. "Wir haben lange im Vorstand diskutiert, ob wir uns verstärkt im Ausland engagieren sollen - von Italien über Großbritannien bis Aserbaidschan", sagte Villis.

"Aber die Kultur hier in Deutschland liegt uns viel näher, also werden wir auch die Wachstumschancen im Inland ausschöpfen." Auch wenn die Billigstromtochter Yello zuletzt statt der angestrebten 200 000 nur 40 000 Neukunden gewonnen hat, setze EnBW weiter auch auf diesen Vertriebskanal. Zudem nannte Villis die Beteiligungen in Nordrhein-Westfalen und Sachsen als wichtige Punkte der Wachstumsstrategie.

Villis betonte erneut, sich nicht, wie von der EU verlangt, vom Stromnetz trennen zu wollen: "Wir wollen unser Netz behalten, denn zum einen hängen viele unserer Kunden an unserem Netz, zum anderen stimmt die Logik nicht, dass private Eigentümer Wettbewerb verhindern würden." Damit erteilte er einer von der Bundesregierung favorisierten Deutschen Netz AG, in die Versorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW ihre Übertragungsleitungen einbringen könnten, eine Absage. Auch RWE möchte sein Höchstspannungsnetz behalten, dagegen hat Vattenfall bereits den Verkaufsprozess gestartet, E.ON muss seine Leitungen mit Ende 2010 veräußern.

Kritisch äußerte sich der EnBW-Chef über die Chancen der Solarenergie hierzulande. Für eine effiziente, großtechnische Lösung scheine in Deutschland zu selten die Sonne. "Der Solaranteil an der Energieerzeugung wird auch 2020 noch bei gerade mal einem Prozent liegen." Er bekannte sich stattdessen erneut zur Atomenergie. "Ich wünschte, ich hätte die Möglichkeit, mich an einem Kernkraftwerk zu beteiligen, sei es in Frankreich, in der Schweiz oder anderswo."

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