Versorger
EnBW darf bei EWE einsteigen

Der drittgrößte deutsche Energiekonzern EnBW hat vom Bundeskartellamt grünes Licht für den geplanten Einstieg beim Oldenburger Konkurrenten EWE erhalten. Um den Wettbewerb auf dem Gasmarkt in Ostdeutschland sicherzustellen, müssen die beiden Versorger aber Unternehmensbeteiligungen abgeben.

HB DÜSSELDORF/STUTTGART. Entweder verkaufe EWE seine Beteiligung an dem ostdeutschen Erdgasimporteur VNG an einen Dritten oder EnBW trenne sich von dem regionalen Versorger GESO, der über Töchter Strom, Wärme, Wasser und Gas im Osten Sachsens anbietet. Durch eine der beiden Transaktionen könne eine Untersagung des Zusammenschlusses abgewendet werden, erklärte die Kartellbehörde. EnBW und EWE hätten beide Möglichkeiten angeboten, hieß es.

Die Unternehmen begrüßten die Entscheidung. „Wir freuen uns über die Freigabe“, sagte ein Sprecher der Oldenburger EWE. Zusammen mit EnBW werde das Unternehmen nun in den kommenden Monaten Kooperationsmöglichkeiten ausloten. Ein Sprecher von EnBW sagte, die Entscheidung der Kartellwächter „überrascht uns nicht“. EWE und EnBW hätten „ausreichend Zeit, die Optionen zu prüfen“. Welche der Verkaufsalternativen in Betracht komme, wollte er noch nicht sagen.

Der geplante Einstieg von EnBW und EWE beschäftigt das Kartellamt bereits seit einem Jahr. EnBW will für rund zwei Mrd. Euro 26 Prozent der EWE-Anteile erwerben, die aus dem Besitz kommunaler Anteilseigner und einer Kapitalerhöhung stammen. Der Karlsruher Versorger - nach RWE und E.ON Deutschlands drittgrößtes Energieunternehmen - schmiedet gemeinsam mit EWE jedoch noch größere Pläne: EnBW will über die Oldenburger 47,9 Prozent an dem Gasimporteur VNG erwerben, um in diesem Geschäft stärker Fuß zu fassen. Dafür wurde ein Kaufpreis von 1,2 Mrd. Euro vereinbart. Dieses Vorhaben liegt ebenfalls beim Kartellamt zur Genehmigung vor. Bis zum 15. September soll eine Entscheidung getroffen werden. Nach der am Montag veröffentlichten Auflage - entweder VNG- oder GESO-Verkauf - müsste EnBW die Tochter GESO zum Verkauf stellen, um seine Pläne noch zu retten.

VNG (Verbundnetz Gas AG) ist neben der E.ON-Tochter Ruhrgas und Wingas einer der drei größten deutschen Erdgas-Importeure und hat einen Marktanteil von etwa 15 Prozent. Der Umsatz belief sich 2008 auf 5,5 Mrd. Euro. Zwischen EWE und den ostdeutschen kommunalen Aktionären der VNG schwelt seit langem ein Streit. EWE war mit dem Versuch, bei der Leipziger VNG die Mehrheit zu übernehmen, mehrfach am Widerstand der Kommunen gescheitert, die zusammen knapp 30 Prozent halten.

Weitere Anteile liegen bei der BASF-Tochter Wintershall, Gazprom und Gaz de France. Aus dem Streit zwischen EWE und den Kommunen will EnBW-Chef Hans-Peter Villis als lachender Dritter hervorgehen. An EnBW halten die französische Electricite de France und ein Verbund von Städten und Landkreisen in Baden-Württemberg je 45 Prozent.

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