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Eon und EnBW tauschen Stromrechte

Die Energiekonzerne EnBW und Eon tauschen Rechte für den Strombezug aus Kernkraftwerken in Deutschland und Frankreich. Die Transaktionen sind weitere Schritte, um die Kraftwerkskapazitäten weiter abzubauen. Auch der Netzverkauf soll vorangetrieben werden.

DÜSSELDORF. Eon hat die gegenüber der EU-Kommission zugesagten Verkäufe von Kraftwerkskapazitäten und des Stromnetzes vermutlich schon bald komplett abgearbeitet. Gestern besiegelte der Energiekonzern einen Tausch von Stromproduktionsaktivitäten mit der Electricité die France (EDF) und deren Beteiligung Energie Baden-Württemberg (EnBW), sodass der Konzern inzwischen 4 400 der 5 000 Megawatt (MW) veräußert hat, die Eon der EU zugesichert hatte. Für die beiden verbliebenen Beteiligungen an Steinkohlekraftwerken gibt es nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen auch schon Interessenten. Und der Verkauf des Höchstspannungsnetzes läuft ebenfalls auf Hochtouren. Hier ist der Konzern in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem niederländischen Netzbetreiber Tennet.

Eon hatte im vergangenen Jahr einen Kartellstreit mit der EU-Kommission durch einen Vergleich beigelegt. Die Behörde stellte ihre Ermittlungen gegen Eon wegen eines vermuteten Machtmissbrauchs auf dem Strommarkt ein. Im Gegenzug sagte der Energiekonzern die Abgabe von rund einem Fünftel seiner Produktionskapazitäten aus Atom-, Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken in Deutschland sowie des Übertragungsnetzes zu. In den vergangenen Monaten tauschte er bereits Aktivitäten mit der norwegischen Statkraft, der belgischen Electrabel und dem österreichischen Verbund.

Gestern nun besiegelte der Konzern ein in den Grundzügen erwartetes Geschäft mit EDF und EnBW. EnBW erhält Bezugsrechte in einer Größenordnung von 800 MW aus deutschen Kernkraftwerken von Eon. Dafür gibt das Unternehmen eigene Rechte an den EDF-Reaktoren in Fessenheim an der Grenze zu Baden-Württemberg und Cattenom an der französisch-luxemburgischen Grenze ab. Zudem kauft EnBW den 50,4-Prozent-Anteil von Eon am Kohlekraftwerk in Rostock sowie Bezugsrechte aus der Kohleanlage Buschhaus. Und schließlich erwirbt Eon von EDF den Anteil von 35 Prozent, den die Franzosen an Eons französischer Tochter Snet halten.

Eon erfüllt damit nicht nur die EU-Auflagen. Der Konzern baut zudem seine Aktivitäten in Frankreich aus und treibt seine Pläne voran, ungeachtet des geltenden Ausstiegsbeschlusses in Deutschland das Engagement in der Kernenergie in Europa auszubauen. Analysten von Sal. Oppenheim und LBBW begrüßten deshalb gestern das Geschäft. Auch für die EnBW, die 1 200 MW an Kapazitäten in Deutschland erhält, wurde das Geschäft positiv bewertet. Die Transaktion muss allerdings noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Eon hat jetzt nur noch zwei Beteiligungen an Steinkohlekraftwerken auf der Verkaufsliste: einen 67-Prozent-Anteil im westfälischen Veltheim und eine 50-Prozent-Beteiligung im niedersächsischen Mehrum. Für beide Anlagen laufe das Due-Dilligence-Verfahren, hieß es in Branchenkreisen. Als Käufer kämen unter anderem die Mitgesellschafter infrage, in Veltheim die Stadtwerke Bielefeld und in Mehrum die Stadtwerke Hannover und die Braunschweig Versorgungs-AG.

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