Versorger: Madrid baut Wagenburg um Endesa

Versorger
Madrid baut Wagenburg um Endesa

Trotz deutlicher Warnungen der Europäischen Union schickt sich Spanien an, die Übernahme des Versorgers Endesa durch die deutsche Eon per Gesetz zu verhindern. Zudem will Madrid die „Prinzessin“ Endesa mit einem Trick unattraktiver machen.

HB MADRID. Im Bieterstreit um den Versorger Endesa will die spanische Gas Natural mit der rund 29 Mrd. Euro schweren Offerte der deutschen Eon Medienberichten zufolge zumindest gleichziehen. Auch die spanische Politik könnte sich in den Fall einschalten.

Gas Natural wolle zu Beginn kommender Woche eine neue Offerte für Endesa vorlegen, berichteten spanische Zeitungen und die Nachrichtenagentur Efe am Freitag. Dabei könne Eon auch überboten werden. Unterdessen verabschiedete die Regierung in Madrid ein Gesetz, das die Kompetenz der Regulierungsbehörde zum Schutz öffentlicher Interessen in der Energiebranche ausweitet. Details dazu wurden zunächst nicht veröffentlicht. Für Spanien würde ein Endesa-Verkauf an Eon das Ende der Regierungspläne bedeuten, einen großen nationalen Versorger zu schmieden.

Eon-Chef Wulf Bernotat betonte in einem Interview indes, die Übernahmepläne würden nicht am Widerstand der Politik scheitern. Am Ende würden die Endesa-Eigentümer und nicht Politiker über den Erfolg der Offerte entscheiden, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ laut Vorabbericht. Maßgeblich für die Übernahme seien die Regeln des Kapitalmarktes. „Der erste Aufschlag war äußerst gelungen“, sagte Bernotat zum Verlauf des Übernahmepokers. „Das heißt aber nicht, dass der Kauf bereits gelaufen ist“, schränkte er ein.

Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat bereits angekündigt, nationale Interessen bei der Bewertung der Eon- Offerte zu berücksichtigen. „Es ist wichtig, dass wir solide und starke Unternehmen haben - spanische Unternehmen“, hatte er betont. Zuvor hatte er aber angekündigt, die Regierung wolle von ihrer Veto-Möglichkeit bei Endesa durch eine „Goldene Aktie“ nur unter außergewöhnlichen Umständen Gebrauch machen.

Industrieminister Jose Montilla sagte am Freitag, Spanien habe theoretisch die Möglichkeit, die Stimmrechte von Eon bei Endesa auf fünf Prozent zu begrenzen. Spanische Gesetze würden dies bei Firmen erlauben, an denen die öffentliche Hand beteiligt sei. Das Land Bayern hält rund 2,5 Prozent an Eon. Die EU-Kommission zeigte sich skeptisch zu der Überlegung Montillas. Eine solche Begrenzung würde gegen EU-Recht verstoßen, sagte ein Kommissionssprecher. Spanien dürfe keine Maßnahme zur Verhinderung einer Übernahme ergreifen, die nicht vollständig mit EU-Gesetz übereinstimme. Zudem müssten die Regeln zum freien Kapitalfluss berücksichtigt werden. Gas Natural hat bisher 21,7 Mrd. Euro für Endesa geboten. Diese Offerte hat Eon am Dienstag um knapp sieben Mrd. Euro überboten. Endesa, das das Gas Natural-Angebot bereits abgelehnt hatte, hatte erklärt, auch die Eon-Offerte spiegele nicht den wahren Endesa-Wert wider. Eon erklärte indes, der Konzern halte seine Offerte weiter für attraktiv.

Gas Natural könnte sein neues Angebot bereits am Montag vorlegen, hieß es in den Medienberichten. Der italienische Versorger Enel hatte signalisiert, sich hinter eine Neuauflage des Gas-Natural-Angebots für Endesa zu stellen. Enel wolle ebenso wie Eon Chancen für Wachstum im Ausland nutzen, hatte Enel-Konzernchef Fulvio Conti betont. Bernotat sagte aber im „Spiegel“, er halte es für unwahrscheinlich, dass ein weiteres Unternehmen um Endesa buhlen werde: „Unternehmen, die über ausreichend Kapital verfügen, in dieses Rennen einzusteigen, und gleichzeitig die notwendigen Börsen-Voraussetzungen mitbringen, gibt es nur ganz wenige.

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