Versorger
MVV setzt mehr um und verdient weniger

Der Versorger MVV Energie hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz eingefahren. Im Zuge der Wirtschaftskrise war der Gewinn jedoch rückläufig. Dabei machten MVV insbesondere sinkende Preise zu schaffen.
  • 0

HB MANNHEIM. Der Versorger MVV Energie hat trotz eines Rekordumsatzes im Geschäftsjahr 2008/09 (30.9.) wegen der Wirtschaftskrise einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Dank des verstärkten bundesweiten Vertriebs von Strom und Gas an Industriekunden stiegen die Erlöse zwar um 20 Prozent erstmals mit 3,16 Mrd. Euro über die Drei-Milliarden-Marke, wie das im SDax notierte Unternehmen auf der Basis vorläufiger Zahlen am Donnerstag in Mannheim mitteilte. Dagegen sank der um Einmal- und Bewertungseffekte bereinigte Jahresüberschuss im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 112 Mio. Euro.

Nach Unternehmensangaben wirkten sich besonders die in Folge der Rezession eingebrochenen Preise für Gewerbeabfall und für erzeugten Strom negativ aus. Das operative Ergebnis (EBIT) lag mit 239 Mio. Euro vier Prozent unter dem Vorjahresergebnis. „Das abgelaufene Geschäftsjahr war kein normales Jahr“, sagte Vorstandschef Georg Müller. Zudem wachse der Wettbewerbsdruck. Im vierten Quartal musste MVV sogar einen operativen Verlust von elf Mio. Euro hinnehmen. Dies sei aber nicht ungewöhnlich. Da MVV einen wichtigen Teil seines Geschäfts mit Wärme und Gas mache, sei das Sommerquartal traditionell das schwächste. Hinzu komme, dass in diesen Monaten die höchsten Ausgaben für Investitionen und Reparaturen anfielen. Zur Dividende machte das Unternehmen noch keine Angaben. Die Aktie des Versorgers verlor bis zum Mittag 0,73 Prozent auf 31,15 Euro. Der SDax lag mit 0,37 Prozent im Minus.

Müller bekräftige das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien in seinem Unternehmen von derzeit 17 auf 30 Prozent auszubauen. Schwerpunkte für MVV seien dabei Biomasse und Windenergie. Dagegen solle Solarstrom eine eher untergeordnete Rolle spielen. Insgesamt will MVV drei Mrd. Euro in den kommenden zehn Jahren investieren. Dazu zählt auch der umstrittene neue Block neun im Steinkohlekraftwerk Mannheim. Das Projekt liege im Zeitplan, sagte Müller. In Großbritannien will sich MVV an neuen Gaskraftwerken beteiligen.

Dagegen haben Zukäufe für den MVV-Chef keine Priorität mehr. Müller sprach von einer „Akzentverschiebung“. „Wir halten den Markt im Blick, aber das bloße Addieren von Energieabsätzen und Umsätzen ist suboptimal“, sagte Müller in einer Telefon-Konferenz. Er betonte stattdessen, eher Kooperationen anzustreben. Das schließe nicht bedeute aus, dass MVV auch einmal zukaufen werde, sofern der Preis stimme. Schon frühzeitig hatten sich die Mannheimer aus dem Bieterkreis für die inzwischen von Eon an eine Gemeinschaft kommunaler Unternehmen verkaufte Stadtwerke-Holding Thüga verabschiedet.

MVV war 1999 von der Stadt Mannheim als erstes kommunales Energieunternehmen in Deutschland an die Börse gebracht worden. Seitdem hat sich MVV unter anderem an der Energieversorgung Offenbach sowie den Stadtwerken Solingen, Ingolstadt und Kiel beteiligt. Die Gesellschaft bietet seit Jahren bundesweit Strom für Industriekunden an, seit Anfang 2008 auch für Privathaushalte. Seit Herbst 2008 vermarktet das Unternehmen zudem Gas bundesweit für Geschäftskunden. In Tschechien ist MVV stark im Fernwärmegeschäft vertreten. Dieses will das Unternehmen ausbauen. Dazu sind nach Unternehmensangaben sowohl Zukäufe möglich als auch die Investitionen in die Energieerzeugung.

Kommentare zu " Versorger: MVV setzt mehr um und verdient weniger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%