Versorger plant Kapitalerhöhung
Enel braucht frisches Geld

Der italienische Energiekonzern Enel braucht inmitten der Krise frisches Geld. Bis zu acht Milliarden Euro sind offenbar nötig, um dem Unternehmen nach aggresivem Wachstum das Überleben zu sichern. Zuletzt verpflichteten sich die Italiener im Januar, die spanische Endesa gemeinsam mit dem Mischkonzern Acciona zu übernehmen.

HB. Rom. Der hochverschuldete italienische Energiekonzern Enel will sich über eine Kapitalerhöhung und Beteiligungsverkäufe frisches Geld beschaffen. Die Kapitalerhöhung soll noch im laufenden Jahr bis zu acht Milliarden Euro einbringen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Rom mitteilte. Unterstützung erhält der größte italienische Versorger von der italienischen Regierung. Das Wirtschafts- und Finanzministerium hat bereits Interesse an den neuen Bezugsrechten angemeldet. Schon jetzt hält der Staat 21,1 Prozent der Anteile an Enel. Auch Libyen ist interessiert, wie ein Botschafter des Landes am Mittwoch sagte. Ein aggressiver Wachstumskurs hatte den Schuldenstand von Enel explodieren lassen. Ende 2008 standen Verbindlichkeiten von knapp 50 Milliarden Euro in den Büchern.

Mit dem frischen Geld wollen die Italiener die im Februar vereinbarte Übernahme von weiteren 25 Prozent am spanischen Versorger Endesa finanzieren. Der Konzern hatte sich mit dem Mischkonzerns Acciona auf den Kauf geeinigt, mit dem sich Enel die volle Kontrolle über Endesa sichert. Der Preis liegt bei 11,1 Milliarden Euro. Zusammen hatten Enel und Acciona 2007 den deutschen Energiekonzern E.ON in einer harten Übernahmeschlacht ausgestochen. Für 42,5 Milliarden Euro sicherten sie sich die Endesa-Mehrheit. Angesichts der Wirtschaftskrise gilt der Kaufpreis heute allerdings als deutlich zu hoch an. Die Aktie reagierte positiv auf die Nachrichten. In der ersten Handelsstunde stieg der Kurs in einem schwachen Gesamtmarkt um 2,37 Prozent auf 3,45 Euro.

Bis 2010 will sich der Konzern nun von Beteiligungen in Randgeschäften trennen. Das soll bis zu zehn Milliarden Euro einbringen, wie Vorstandschef Fulvio Conti sagte. Dazu gehöre der Verkauf des Hochspannungsnetzes an den Wettbewerber Terna. Die Transaktion soll im April abgeschlossen sein. Die Unternehmen hatten sich im Dezember 2008 auf einen Kaufpreis von 1,15 Milliarden Euro geeinigt - ursprünglich hatte Enel bis zu 1,7 Milliarden Euro verlangt. Auch sein Gasnetz will Enel zum Schuldenabbau loswerden, eingegangene Angebote sollen nun sondiert werden. Zudem steht die Erneuerbare-Energien-Tochter zur Disposition. Diese Verkäufe sollen rund sechs Milliarden Euro einbringen, weitere vier Milliarden sollen von nicht strategischen Beteiligungen kommen, zu denen das Unternehmen in seiner Mitteilung aber keine genaueren Angaben machte.

Auch bei den Investitionen tritt Enel nun auf die Bremse. Bis 2013 will der Konzern nur noch 32,6 Milliarden Euro ausgegeben - rund 12 Milliarden weniger als vor der Wirtschaftskrise geplant. Um seine Schulden zu senken, hatte Enel bereits im vergangenen Jahr Endesa-Aktivitäten im Wert von rund 12 Milliarden Euro an E.ON verkauft und so seine Schuldenlast um rund 6 Milliarden Euro im Jahresvergleich gesenkt.

Unter dem Strich stieg 2008 der Gewinn um 35,2 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs dank der Zukäufe um 40 Prozent auf 61,2 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um 45,5 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro. Als Dividende schlägt der Konzern 0,49 Euro pro Aktie vor. In den kommenden Jahren soll aber auch hier gespart werden. Künftig will der Konzern statt eines festen Dividendensatzes 60 Prozent des Überschusses ausschütten.

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