Versorger
Privatkunden zahlen offenbar zu viel für Strom

Wer denkt, Strom sei für Unternehmen wie für Privatpersonen gleich teuer, irrt: Laut dem Vergleichsportals Verivox.de zahlen Haushalte deutlich mehr, während der Preis für Firmen sinkt. Dabei sinken die Einkaufspreise für die Anbieter ja eigentlich.

HB BERLIN. Private Haushalte zahlen einer Studie zufolge zu viel für Strom. „Für Großkunden sind die Preise am Sinken, für Privatkunden steigen sie kontinuierlich“, sagte Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. Ausweislich der Studie müssen Verbraucher trotz halbierter Großhandelspreise an der Leipziger Strombörse derzeit 5,8 Prozent mehr ausgeben als im Vorjahr. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts sanken die Erzeugerpreise für Strom dagegen im August 2009 um neun Prozent im Vorjahresvergleich.

Privatkunden stünden den steigenden Preisen aber nicht hilflos gegenüber, sagte die Verivox-Sprecherin. „Ich als Verbraucher muss nur mal schauen, ob es einen günstigeren Tarif gibt.“ 58 Prozent der Privatkunden zahlten trotz der Liberalisierung des Strommarkts immer noch den teuersten Tarif des Grundversorgers. Es lohne sich also, nach einem günstigeren Tarif des gleichen Anbieters zu fragen. Ansonsten komme auch ein Wechsel in Frage.

Nach den Worten Ginzels stehen viele Stromversorger derzeit in den Startlöchern, um die Preise erneut zu erhöhen. Der 1. Januar sei ein traditionelles Datum für Erhöhungen. Wegen der sechswöchigen Frist würden deshalb viele Unternehmen bis Mitte November den Kunden die Erhöhungen mitteilen.

Im Rahmen der Studie untersuchte das Verbraucherportal die Preise der lokalen Grundversorger, ihrer Wettbewerber und die Beschaffungspreise an der Leipziger Strombörse „European Energy Exchange“ (EEX). Der Verivox-Verbraucherpreisindex Strom weist demnach für Oktober 2009 einen Kilowattstundenpreis von 22,36 Cent aus. Ein Haushalt mit einem Stromverbrauch von 4 000 Kilowattstunden bezahle durchschnittlich knapp 900 Euro pro Jahr.

Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagte auf AP-Anfrage, auch mehr als zehn Jahre nach der Liberalisierung funktioniere der Strommarkt nur unzureichend. Da der meiste Strom von vier großen Erzeugern hergestellt werde, hätten diese Konzerne eine große Marktmacht und vereinnahmten den Großteil der Gewinne. Im Vertrieb gebe es nur geringe Margen. Viele der unabhängigen Versorger schrieben rote Zahlen und nutzten nun die gefallenen Großhandelspreise, um ihre Kassen aufzufüllen.

Die Strukturen auf dem deutschen Strommarkt bieten Unternehmen nach Einschätzung von Krawinkel nur geringe Anreize, mit deutlich niedrigeren Preisen auf den Markt zu gehen. „Wenn fünf Bäcker in der Nähe sind und ihre Brötchen für 15 Cent anbieten, dann gehe ich doch nicht hin und biete meine für fünf Cent an“, sagte der Verbraucherschützer, um das Wettbewerbsproblem zu veranschaulichen. Ein neuer Anbieter könne auch noch mit Brötchen für zwölf oder 13 Cent punkten.

Auf die Diskrepanz zwischen den Strompreisen für Privat- und Großkunden hatte am Dienstag die „Bild“ Zeitung hingewiesen. „Hier sind die Kartellbehörden gefragt. Sie müssen prüfen, ob das mit rechten Dingen zugeht“, zitiert das Blatt Peter Blenkers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

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