Versorger
RWE und Eon warnen vor CO2-Handel

Die Energiekonzerne RWE und Eon drohen wegen der EU-Klimaschutzpläne für den Emissionshandel ab 2013 mit saftigen weiteren Strompreiserhöhungen. Das ist Lobbyismus, aber dennoch nicht gänzlich falsch. Fest steht offenbar, dass Umweltschutz auch für die Verbraucher seinen Preis hat.

HB BERLIN. Die mit den teuren Kohlendioxid- Zertifikaten verbundenen hohen Kosten bedeuteten zudem erhebliche Wettbewerbs-Verzerrungen zugunsten der Energieversorger in Frankreich, sagte der Chef der Essener RWE AG, Jürgen Großmann, am Donnerstag auf einem Kraftwerkskongress der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin.

So könnte der französische Energieriese EDF mit seinen abgeschriebenen Atomkraftwerken jederzeit sämtliche CO2-Zertifikate ersteigern und damit den Aufkauf zum Beispiel von RWE und Eon betreiben. "Dann wird es ein großes Lamento" darüber geben, warum Deutschland keinen eigenen nationalen Versorger mehr habe, sagte Großmann. "Aber dann ist mit Rettungsschirmen (...) nicht mehr viel zu erreichen." Allein durch den Emissionshandel werde Frankreich einen Kostenvorteil von etwa 50 Mrd. Euro haben. Daneben seien die deutschen Energiekonzerne mit 90 Mrd. beim Netzausbau und mit 45 Mrd. Euro durch den Atomausstieg bis 2020 belastet.

Der Vorstandschef von Eon, Wulf Bernotat, sagte: "Alle Anlagen müssen (beim Emissionshandel) gleich behandelt werden." Es bestehe ein großes Preisrisiko beim Strom, wenn alle Zertifikate von den Energieunternehmen 2013 sofort ersteigert werden müssten. Wie Großmann forderte auch Bernotat, stattdessen eine Übergangsphase bis 2020 zu schaffen. Dagegen hatte sich zuvor auch Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gewandt. Das Thema soll am 12. Dezember vom EU-Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs abschließend geregelt werden.

Erneut warnte Bernotat vor einer "Stromlücke" im Falle des Atomausstiegs und drohte mit einem Aussetzen des Kraftwerks - Bauprogramms der Branche. Damit sollten bisher trotz der Rezession mehr als 60 Mrd. Euro auch zugunsten von Wachstum und Beschäftigung investiert werden.

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) wandte sich gegen Sonderregelungen zum Schaden des Klimaschutzes. "Ich kann ein Nachgeben nicht empfehlen", sagte er. "Wir brauchen den gemeinsamen Kampf gegen den ruinierten Planeten." Man sollte beim Auto und bei industriellen Kraftwerken am besten Grenzwerte für den CO2-Ausstoß vorgeben. "Wenn es einer nicht schafft - schade drum", deutete er dann nötige harte Sanktionen an.

Die - Bund und Wirtschaft - gehörende Energieagentur dena forderte angesichts anhaltender örtlicher Proteste gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke, nicht von diesen Plänen abzulassen. Für die Versorgungssicherheit nötig sei eine Zusatzleistung von 12 000 Megawatt Strom bis 2020. Das entspreche etwa 15 Großkraftwerken, sagte dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. "Wird die Erneuerung der Stromproduktion aus Kohle und Erdgas nicht forciert, werden alte und ineffiziente fossile Kraftwerke mit deutlich höherem CO2-Ausstoß länger in Betrieb bleiben. Das würde zu höheren Strompreisen führen und die Klimabilanz belasten."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%