Versorger
RWE vollzieht Übernahme von Essent

Nun ist es amtlich und vollzogen: Der Energiekonzern RWE hat die Übernahme des niederländischen Versorgers Essent abgeschlossen. Die rund sieben Milliarden Euro teure Übernahme ging damit vergleichsweise geräuschlos über die Bühne.

DÜSSELDORF. Während die Konkurrenz in der Wirtschaftskrise in Deckung geht, setzt Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE auf Wachstum. Gestern schloss der Versorger die Übernahme des niederländischen Konkurrenten Essent ab. Der Konzern hat sich alle Anteile gesichert und bezahlt dafür 7,3 Mrd. Euro. Das sind zwei Mrd. weniger als zunächst geplant, weil RWE die Bremer Essent-Tocher SWB aus kartellrechtlichen Gründen nicht übernehmen darf und der Anteil am Kernkraftwerk Borssele wegen eines Rechtsstreits vorübergehend bei den Alteigentümern verbleiben muss.

RWE-Chef Jürgen Großmann profitiert letztlich vom Zögern seines Vorgängers Harry Roels. Als die Konkurrenz in den vergangenen Jahren auf Einkaufstour ging und die Preise kräftig nach oben trieb – unter anderem lieferten sich Eon und die italienische Enel eine spektakuläre Übernahmeschlacht um die spanische Endesa – hielt sich RWE zurück und konzentrierte sich auf Ertrag und Kosten. Während Eon schon Abschreibungen auf teure Zukäufe vornehmen muss, konnte Großmann zu Jahresbeginn im Bieterverfahren für Essent zuschlagen.

Bis zur endgültigen Übernahme musste der RWE-Chef zwar noch zahlreiche Hürden überspringen. Umweltschützer machten Front gegen RWE, in der Landesregierung gab es wettbewerbsrechtliche Bedenken. In Noord Brabant, dem größten der kommunalen Anteilseigner, musste RWE um die Zustimmung zittern. Und Essents Joint-Venture-Partner beim Kernkraftwerk Borssele, Delta, ging juristisch gegen die Übernahme vor.

Letztlich konnte Großmann die Probleme aber lösen. Die Zustimmung der Kartellbehörden erhielt er durch den Verkauf der SWB. Die kommunalen Aktionäre überzeugte er unter anderem durch Zusagen, dass sie die Investitionsvorhaben in erneuerbare Energien überwachen dürfen. Und der Anteil an Borssele bleibt bis zum Abschluss des Rechtsstreit zunächst bei den alten Eigentümern.

Dem Energiekonzern gelingt damit ein Zukauf, der nach Einschätzung der Analysten gut in die Strategie passt, auch wenn sie den Kaufpreis noch immer als hoch bewerten. RWE übernimmt ein Unternehmen, dessen Versorgungsgebiet direkt an das eigene Kerngebiet in Nordrhein-Westfalen grenzt. 2008 setzte das Unternehmen ohne Netz- und Entsorgungsgeschäft – die jeweils nicht übernommen werden – 6,6 Mrd. Euro um. Unter das Dach der neuen Tochter werden die Aktivitäten von RWE in den Niederlanden genauso eingebracht wie die Töchter in der gesamten Benelux-Region.

Eine ähnlich große Transaktion wird RWE sich auf absehbare Sicht nicht mehr leisten können, daran lässt Großmann keinen Zweifel. Kleinere und mittelgroße Zukäufe schließt er aber nicht aus. Und ein solches Objekt hat er bereits an der Angel: RWE gab im Bieterverfahren für den polnischen Versorger Enea das beste Gebot ab und prüft seit August die Daten. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr mehr als 1,7 Mrd. Euro umgesetzt und zählt 2,3 Mio. Kunden.

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