Versorger Stadtwerke drehen gemeinsam auf

Seite 2 von 3:

Bislang kommt die Thüga AG zwar nur auf einen Umsatz von 381 Mio. Euro. Hinter dem Verbund stehen aber Unternehmen, die im vergangenen Jahr zusammengerechnet 16,4 Mrd. Euro umgesetzt sowie 3,4 Mio. Kunden mit Strom und 2,9 Mio. mit Gas versorgt haben.

Die vier Regionalversorger verfolgen ihre Offerte entschlossen. Schon vor Monaten haben sie die Investmentbank Rothschild beauftragt, und jüngst gründeten sie das Unternehmen Integra Energie GmbH, das Thüga übernehmen und später führen soll.

Zudem ist kein ernsthafter Konkurrent für das komplexe Gebilde in Sicht. Nach den Worten von Eon-Chef Bernotat gibt es zwar noch keinen formalen Verkaufsprozess. Nach Einschätzung von mit der Transaktion vertrauten Branchenkreisen wird es diesen aber auch nie geben. Letztlich müssten sich Eon und das kommunale Konsortium auf einen für beide Seiten akzeptablen Preis einigen. Vier Mrd. Euro müssten die Bieter schon auf den Tisch legen, und mindestens eine Mrd. davon aus eigenen Mitteln.

Während sich die Bieter zuversichtlich zeigen, dass der Deal an der Finanzierung nicht scheitern wird, wird das in den Branchenkreisen noch bezweifelt. Die Gruppe um Badenova könne bis zu 25 Prozent übernehmen und die anderen drei Versorger rund 45 Prozent. Für den Rest bräuchte das Konsortium einen strategischen Partner. Im Gespräch ist es mit dem dänischen Versorger Dong, aber der ziert sich. Und ob das angestrebte Modell tragfähig ist, sich die Investition lohnt, müsse sich erst zeigen: "Da müssen viele Interessen unter einen Hut gebracht werden."

Wie schwer sich Kommunalversorger mit der Kooperation tun können, hat sich Anfang des Jahres gezeigt: Da zogen sich mit der Kölner Rheinenergie und der Mannheimer MVV Energie zwei potente Partner, die zusammen rund 30 Prozent übernehmen wollten, aus dem Konsortium zurück. Sie glaubten nicht mehr an den großen strategischen Wurf.

Kommunen lösen sich von Konzernen

DÜSSELDORF. Es ist eine Kampfansage an Platzhirsch Vattenfall: Der Senat der Stadt Hamburg hat vor wenigen Tagen die Gründung des Versorgers Hamburg Energie beschlossen, der spätestens ab Herbst die Bürger mit klimafreundlichem Strom versorgen soll.

Dabei hatte die Stadt erst vor sieben Jahren die Stromversorgung abgegeben und ihre Anteile an der Hamburgischen Electricitäts AG-Werke (HEW) an den schwedischen Vattenfall-Konzern verkauft. Inzwischen ist der Senat, an dem seit dem vergangenen Jahr auch die Grünen beteiligt sind, mit der Entscheidung aber nicht mehr glücklich. Vehement kämpfte die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk gegen die Pläne Vattenfalls, ein großes Kohlekraftwerk im Stadtteil Moorburg zu bauen. Vereiteln konnte sie diese zwar letztlich nicht, mit Hamburg Energie will sie jetzt dem Kontrahenten aber offenbar einen Nadelstich versetzen.

"Wir erleben eine Renaissance der kommunalen Wirtschaft in Deutschland", sagt Hajduk. "Wir wollen einen Energieversorger haben, der die Interessen der Stadt vertritt." Hamburg Energie soll den Strom weder aus Kohle- noch aus Atomkraftwerken beziehen.

Branchenexperten teilen die Einschätzung der Senatorin. "Der Trend zur Rekommunalisierung, das heißt der Wunsch der Kommunen, die Energieversorger wieder in die eigene Hände zu nehmen, ist deutlich zu erkennen", sagt Michael Bormann, Energieexperte der Kanzlei Simmons & Simmons. Der politische Druck sei groß, sich von den großen Konzernen zu lösen.

Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%