Versorger
Stadtwerke drehen gemeinsam auf

Die Kommunalversorger verbünden sich, um gegen die großen Energiekonzerne zu bestehen. Vier Regionalversorger greifen nach Eons Stadtwerke-Holding Thüga. Damit würden sie ein Gegengewicht zu den großen Konzernen schaffen. Das Angebot zeigt: Das Selbstbewußtsein von Deutschlands Stadtwerken ist gestiegen.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Diese Übernahme hätte Symbolcharakter: Vier Regionalversorger, die Stadtwerke Hannover, die Frankfurter Mainova, die Freiburger Badenova und N-Ergie aus Nürnberg, greifen nach Eons Stadtwerke-Holding Thüga - und würden auf einen Schlag ein Netzwerk von über 100 kommunalen Energieanbietern gründen. "Wir wollen ein Gegengewicht zu den großen Konzernen schaffen", sagt der Chef eines der vier Kaufinteressenten. Von hohen Einsparpotenzialen im Verbund bis hin zu teuren Investitionen in gemeinsame Kraftwerke reicht die Vision.

Das Gebot des kommunalen Konsortiums für die Thüga, in der Eon 110 Beteiligungen in rund 90 Städten gebündelt hat, spiegelt das gestiegene Selbstbewusstsein unter Deutschlands Stadtwerken wieder. Mit der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes Ende der 90er-Jahre war ihnen noch ein schnelles Ende prophezeit worden. Sie seien zu klein, um im aufkommenden Wettbewerb bestehen zu können, stellten Branchenexperten fest. Und tatsächlich verleibten sich die großen Energiekonzerne immer mehr Versorger ein, kauften den klammen Kommunen reihenweise Aktienpakete ab. Eons Kalkül hinter dem Thüga-Modell beispielsweise war simpel: Wenn der Konzern an einem Stadtwerk zumindest eine Minderheitsbeteiligung hält und im Aufsichtsrat sitzt, hat die Vertriebsabteilung bei Lieferverträgen für Strom und Gas leichtes Spiel.

Doch inzwischen geht das Kalkül nur noch bedingt auf. Erstens beobachtet das Bundeskartellamt die Verflechtung seit langem kritisch und hat beispielsweise langfristige, exklusive Gaslieferverträge untersagt. Zweitens lassen sich die Stadtwerke-Chefs mit aufkommendem Wettbewerb nicht mehr die Bedingungen von ihrem traditionellen Lieferanten diktieren, sondern prüfen auch die Angebote der Konkurrenz. Eon-Chef Wulf Bernotat hat das erkannt und die Thüga zum Verkauf gestellt.

Die Thüga-Gesellschaften, zu denen auch die Stadtwerke Hannover, Mainova, Badenova und N-Ergie selbst gehören, wollen zum einen mit dem eigenen Gebot verhindern, dass ein neuer Branchenriese an Eons Stelle tritt. Badenova hat 40 bis 45 kleinere Thüga-Partner hinter sich versammelt, die auch mitmachen.

Zudem stehen die Kommunalversorger selbst unter Druck. Durch die scharfe Regulierung durch die Bundesnetzagentur schwinden die Margen. Der Wettbewerb durch neue bundesweite Strom- und Gasanbieter setzt ihnen in ihren Versorgungsgebieten zu. Im Verbund könne man neue Einsparpotenziale suchen, sagt der Chef eines der Interessenten, die sich in der Öffentlichkeit noch bedeckt halten. Mit Thüga könnte man beispielsweise im Einkauf die Kosten drücken.

Aber die Bieter versprechen sich auch eine Vorwärtsstrategie. Gemeinsam könne man auch das Kapital für teure Investitionen organisieren, etwa in Kraftwerke, sagt der führende Manager eines anderen der vier Bieter. Auch Projekte wie Offshore-Windparks oder Gasspeicher, die für einzelne Stadtwerke in der Regel kaum zu realisieren sind, seien denkbar: "Vor Ort soll sich jeder um sein Geschäft kümmern", sagt er, "die Dachorganisation kann aber die Aufgaben übernehmen, für die ein einzelner zu schwach ist."

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