Versorger
Strompreise steigen deutlich an

Deutschlands fünftgrößter Versorger EWE hebt die Strompreise kräftig an. Ab Januar müssen Kunden im Schnitt 14 Prozent mehr bezahlen. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Das Portal Verivox erwartet steigende Preise auf breiter Front.
  • 0

HB DüSSELDORF. Auf Mio. Verbraucher in Deutschland rollt eine neue Welle von Strompreiserhöhungen zu. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Marktübersicht des Verbraucherportals Verivox.de wollen mindestens 40 Stromanbieter die Preise zum Jahreswechsel um durchschnittlich fünf Prozent erhöhen. Dies bedeute für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 4 000 Kilowattstunden pro Jahr eine Mehrbelastung von 46 Euro, berichteten die Experten.

Preiserhöhungen kündigten unter anderem die Energieversorger Vattenfall und EWE an. Deutschlands fünftgrößter Versorger EWE wird den Strompreis zum Jahreswechsel drastisch um 14 Prozent anheben. Ausschlaggebend dafür seien der Anstieg der Netzentgelte, die deutlich höheren Kosten für erneuerbare Energien und die gestiegenen Einkaufspreise, berichtete der Konzern.

„Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist notwendig, um die Klimaziele zu erreichen. Aber er hat auch seinen Preis“, rechtfertigte EWE-Vertriebsleiter Christian Haferkamp die Preisanhebung. Rund ein Drittel der jetzt angekündigten Verteuerung werde durch die Kostensteigerung für Strom aus erneuerbaren Energiequellen verursacht. Der Rest entfalle gleichmäßig auf die gestiegenen Netzentgelte und die höheren Beschaffungskosten.

Denn der Verbraucher soll bei EWE auch für die misslungene Einkaufspolitik des Versorger zahlen. „In dem Strom, den EWE ab 2010 an Privathaushalte verkauft, stecken auch Stromteilmengen, die EWE zu hohen Handelspreisen im Jahr 2008 eingekauft hat“, räumte Haferkamp ein. Inzwischen sind die Preise an der Leipziger Strombörse drastisch gefallen, ohne das die deutschen Stromkunden bislang davon deutlich profitiert hätten.

Auch Vattenfall hebt seine Preise für Kunden in Hamburg und Berlin deutlich an. In der Grundversorgung zahlen Privatkunden in Hamburg künftig 4,4 Prozent mehr für ihren Strom, in Berlin sogar 5,9 Prozent. Für Gewerbekunden steigen die Preise sogar um 8,9 Prozent. Auch Vattenfall begründet die Verteuerung mit den gestiegenen Kosten für Erneuerbare Energien. Diese Aufwendungen hätten sich seit der letzen Preiserhöhungen von Vattenfall im Jahr 2007 verdoppelt.

Umweltschützer weisen die Argumentation der Konzerne allerdings zurück. Die Agentur für Erneuerbare Energien verwies darauf, dass die Förderung von Sonnen und Windkraft lediglich fünf Prozent des Strompreises ausmache.

Ein Ende der Preiswelle ist nicht in Sicht. Die Experten von Verivox gehen davon aus, dass noch zahlreiche weitere kleinere Stromversorger ihre Preise zum Jahreswechsel erhöhen werden. „Sowohl die Beschaffungsstrategie, als auch die erhöhten Kosten aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz können für die Energieversorger ein Problem darstellen“, sagte Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. Doch könnten die Verbraucher dem Versuch, dieses Problem in Form von Preissteigerungen an die Verbraucher weiterzugeben, leicht einen Riegel vorschieben - durch eine Wechsel des Stromanbieters.

Kommentare zu " Versorger: Strompreise steigen deutlich an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%