Versorger
Übernahmeschutz von RWE wankt

Wenn die Gerüchte stimmen, könnten die Zeiten für RWE mittelfristig etwas unsicherer werden. Bisher genoss Deutschlands zweitgrößter Versorger im Hinblick auf seine Aktionärsstruktur einen Schutz. Denn die Städte besaßen über 25 Prozent. Diese Sperrminoritäts-Grenze soll nun nach unten unterschritten sein.

FRANKFURT. Dem Energiekonzern RWE droht der Schutz vor einer Übernahme, dem ihm kommunaler Großaktionäre garantieren, verloren zu gehen. Nachdem einige Gemeinden und Städte ihre Anteile bereits verkauft haben und die Beteiligung der öffentlichen Hand unter die Schwelle von 25 Prozent gefallen sein soll, bahnt sich nun eine weitere Erosion des Schutzwalls an. Nach Informationen aus dem Umfeld des Konzerns will die WestLB ihren Anteil an dem Essener Versorger reduzieren.

Damit könnte eine Kettenreaktion ausgelöst werden, an deren Ende der Einfluss der einst mächtigen kommunalen Großaktionäre gebrochen ist, wie die „Welt“ schreibt. In Finanz- und Branchenkreisen wurde der Zeitungsbericht bestätigt.

Die WestLB hat ihre RWE-Aktien zusammen mit einigen Kommunen in einer Holding gebündelt, die mit 15 Prozent größter Einzelaktionär an dem zweitgrößten deutschen Energiekonzern ist. Vertrauliche Unterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, belegen, dass die angeschlagene Landesbank sich von 3,4 Mio. RWE-Titeln trennen will. Die Transaktion hänge mit der geplanten Umstrukturierung der WestLB zusammen, hieß es. Ein Sprecher der Bank lehnte genauso wie RWE einen Kommentar dazu ab.

Der Anteil der Holding an dem Energiekonzern würde nach dem Verkauf unter die Schwelle von 15 Prozent rutschen, was weitreichende Folgen hätte. Denn dann würde das Aktienpaket nicht mehr als strategisches Investment gelten, die bislang gewährte Befreiung von der Gewerbesteuer abhandenkommen. Der Steuervorteil soll sich auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag summieren. Fiele dieser weg, dann würde wohl auch die Loyalität der Kommunen zur RWE AG leiden. Sollte die WestLB ihre Aktien über die Börse verkaufen, dann könnten den Unterlagen zufolge einige Städte und Gemeinden sich ebenfalls von ihren Anteilen trennen.

Um dies zu verhindern, arbeiten Kernaktionäre um die Stadt Dortmund mit Hochdruck an einem Kauf des WestLB-Pakets, das an der Börse mit 194 Mio. Euro bewertet wird. Die Zeit drängt, denn dem Vernehmen nach will die WestLB die Transaktion bis Ende Juni unter Dach und Fach bringen. Es sei aber auch eine Verschiebung möglich, hieß es.

Den Unterlagen zufolge wollen neben der Stadt Dortmund auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie derHochsauerlandkreis Anteile von der Landesbank übernehmen. Da sie den Kaufpreis aber nicht auf einmal stemmen können, soll ein Teil der RWE-Aktien der „Welt“ zufolge bei der Provinzial-Versicherung geparkt werden. Die Stadt Dortmund könnte dann in zwei bis drei Jahren die Papiere von der Versicherung übernehmen.

Geht der Plan der Kommunen auf, dann könnte ein weiteres Abschmelzen der kommunalen Beteiligung zumindest verzögert werden. Offiziell heißt es zwar immer noch, dass mehr als ein Viertel der Gesellschaft von Städten und Gemeinden kontrolliert wird. Unter der Hand wird aber bestätigt, dass die Schwelle längst durchbrochen wurde. Unter anderem die Stadt Düsseldorf hat ihre RWE-Aktien verkauft.

In den vergangenen Jahren war der RWE-Konzern wiederholt als Akquisitionsziel gehandelt worden, allerdings galten die Kommunen bislang als wichtiger Ankeraktionär, was Übernahmegerüchte bereits im Keim erstickte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%