Versorger
Vattenfall erleidet Gewinneinbruch

Ein schlechtes Image dank des Atomreaktors Krümmel ist das eine; schlechte Zahlen das andere: Die Wirtschaftskrise hat den staatlichen schwedischen Energiekonzern Vattenfall im dritten Quartal erreicht. Der Gewinn bracht um mehr als ein Drittel ein.
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STOCKHOLM. Gewinneinbruch, unsichere Zukunft, keine Klarheit über Krümmel: Vattenfall-Chef Lars Josefsson hatte schon bessere Auftritte bei der Präsentation von Quartalszahlen. Gestern musste er in Stockholm erstmals seit langer Zeit einen deutlichen Gewinneinbruch für den schwedischen Staatskonzern melden. Der Betriebsgewinn fiel gegenüber dem Vorjahresquartal um 37 Prozent auf 3,5 Mrd. Kronen (340,6 Mio. Euro).

Zugleich machte er wenig Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Lage und konnte keine Angaben über den Neustart des norddeutschen Atomkraftwerks in Krümmel machen. „Es ist heute noch nicht möglich, zu sagen, wann wir Krümmel wieder starten können“, erklärte Josefsson. Neue Transformatoren seien bestellt worden und sollen Anfang kommenden Jahres installiert werden.

Der Reaktor war Anfang Juli nach einem zweijährigen Betriebsstopp wieder ans Netz gegangen, musste jedoch nach einem Fehler im Transformator außerhalb des eigentlichen Reaktors erneut gestoppt werden. Vattenfall wurden daraufhin mangelnde Sicherheitsmaßnahmen und eine schlechte Informationspolitik vorgeworfen. „Wir haben die Kritik angenommen und unsere Lehren gezogen“, sagte Josefsson. Auch ein Termin für den Neustart des seit Sommer 2007 gestoppten Atomreaktors in Brunsbüttel sei noch nicht klar.

Bei der größten Vattenfallsparte Central Europe, in der die Töchter in Deutschland und Polen zusammengefasst sind, fiel das Betriebsergebnis um 17 Prozent auf 2,8 Mrd. Kronen. Doch nicht nur die Produktionsausfälle durch die gestoppten Reaktoren in Deutschland und Schweden haben zu dem schwachen Ergebnis von Vattenfall geführt. Schwedens größter Stromversorger und die Nummer vier in Deutschland leidet jetzt auch unter der Wirtschaftskrise: Unternehmen haben ihre Produktion heruntergefahren und benötigen deutlich weniger Strom. So fiel die Stromproduktion um neun Prozent im dritten Quartal. Belastend auf das Ergebnis wirkten sich auch gesunkene Strompreise und höhere Unterhaltskosten aus. Hoffnungen auf eine baldige Besserung hat Josefsson nicht: „Wir rechnen nicht mit einer schnellen Rückkehr zu dem Niveau, das wir vor dem Konjunktureinbruch hatten“, sagte der Vattenfall-Chef.

Der Umsatz des Energieriesen stieg trotz der schwachen Konjunktur um 22,5 Prozent auf 45,3 Mrd. Kronen. Der Grund für die Umsatzsteigerung: Vattenfall hat in diesem Jahr 49 Prozent des niederländischen Konkurrenten Nuon übernommen und will bis 2015 in drei Schritten auch die restlichen 51 Prozent erwerben. Erstmals in diesem Quartal ging der Nuon-Umsatz in die Vattenfall-Bilanz mit ein, sodass der Gesamtkonzern eine Umsatzsteigerung ausweisen konnte.

Josefsson, der das Ergebnis als „deutlich unter unseren Erwartungen“ kommentierte, kündigte in Stockholm Sparmaßnahmen an, um die Renditeforderung des schwedischen Staats als alleinigen Besitzers langfristig entsprechen zu können. So will Vattenfall einige nicht zum Kerngeschäft gehörenden Sparten abstoßen und geplante Investitionen zurückschrauben. Der Konzernchef nannte noch keine Einzelheiten des Sparprogramms, betonte jedoch, dass der Gesamtkonzern effizienter und kostenbewusster arbeiten müsse.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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