Versorgungs-Infrastruktur veraltet
US-Stromwirtschaft kann Nachfrage nicht bewältigen

Die Amerikaner kaufen die größten Autos mit astronomischem Benzinverbrauch und sind beim Stromkonsum im eigenen Heim genau so verschwenderisch. Das gleiche gilt für die US- Unternehmen. Die Strom- und Energiepreise sind im größten Industrieland der Erde wegen der niedrigen Besteuerung viel niedriger als in Europa oder Asien.

HB/dpa NEW YORK. Der ständig steigenden Stromnachfrage steht aber eine Versorgungs- Infrastruktur gegenüber, die fast mittelalterlich erscheint. Die US- Energieversorger haben in den späten 80er und in den 90er Jahren zahlreiche kleine Kraftwerke in Betrieb genommen, die mit Erdgas betrieben werden und die die Gesamtkapazität um etwa ein Viertel erhöht haben.

Die für die Weiterleitung des Stroms von den Kraftwerken an die Endabnehmer notwendigen Stromnetze sind aber nicht entsprechend ausgebaut worden. Die amerikanischen Städte und Gemeinden sind mit ihrem Wald von hölzernen Strom- und Telefonmasten ein Inbegriff der veralteten überirdischen Versorgungs-Infrastruktur.

Hinzu kommt die Liberalisierung des US-Strommarktes während der 80er und 90er Jahre, die den Amerikanern mehr und noch billigeren Strom bringen sollte. Die früher im öffentlichen Besitz befindlichen oder staatlich an der Kandare gehaltenen Anbieter sind inzwischen in Aktiengesellschaften umgewandelt worden. Ihr Hauptziel: möglichst hohe Gewinne für ihre Aktionäre. Sie sparen deshalb bei Investitionen und versuchen ihre Netze möglichst stark zu belasten.

Die Entregulierung hatte in Kalifornien zu großen Eingriffen auf dem Energiemarkt durch Energiehändler wie Enron geführt - mit zeitweise astronomischen Strompreisen für die Bürger des größten US- Bundesstaates. Der US-Stromvertrieb wird durch drei große Verbundnetze im Osten, Süden und Westen des Landes durchgeführt. Der Kollaps der Stromversorgung von 50 Mill. Menschen erfolgte im nordöstlichen Bereich.

Jetzt schieben sich Amerikaner und Kanadier gegenseitig die Schuld an dem Debakel zu. Das Büro des kanadischen Premierministers Jean Chretien machte einen Blitzschlag in einem Kraftwerk in Niagara Falls oder einen Ausfall in einem Kraftwerk in Pennsylvania verantwortlich. Der New Yorker Oberbürgermeister Michael Bloomberg sieht die Schuld eindeutig in Kanada. Es habe einen plötzlichen riesigen Strombedarfsanstieg von kanadischer Seite gegeben, dem die Kraftwerke im Bundesstaat New York nicht gewachsen gewesen seien. Sie hätten sich deshalb sofort abgeschaltet.

Die US-Stromnetze sollten vom Konzept her bei Blackouts eigentlich einen Domino-Effekt vermeiden, wie er am Donnerstag erfolgt war und durch den Dutzende von Kraftwerken fast gleichzeitig lahm gelegt wurden. Offensichtlich hat es jedoch einen enormen Systemfehler gegeben. Niemand wusste aber bis Freitag, wo und wie er entstanden war.

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