Versorgungs-Sicherheit

Rohstoff-Knappheit bedroht Deutschlands Industrie

Deutschlands Industrie ist auf die Versorgung mit Rohstoffen angewiesen. Doch die Ressourcen sind knapp, die Preise von wichtigen Grundgütern steigen. Die Abhängigkeit von Importen bedroht die heimische Wirtschaft.
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Kohlemine in Indonesien: Industrie- und Schwellenländer wetteifern um den Zugang zu Grundgütern - Deutschland droht dabei ausgestoppt zu werden. Quelle: Reuters

Kohlemine in Indonesien: Industrie- und Schwellenländer wetteifern um den Zugang zu Grundgütern - Deutschland droht dabei ausgestoppt zu werden.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfFür Deutschlands Unternehmen wäre es ein Horrorszenario: Die Versorgung mit Rohstoffen ist abgebrochen, die Energiequellen versiegt. Binnen kürzester Zeit stünden die Bänder in den Fabriken still, die Produktion würde zum Erliegen kommen. Am Ende geht beim Exportweltmeister Deutschland das Licht aus.

Völlig aus der Luft gegriffen ist so ein Szenario nicht. Denn aufstrebende Nationen kaufen den Markt für Grundgüter leer. Stark steigende Preise bereiten vielen Unternehmen im rohstoffarmen Deutschland seit Langem Sorge. Knapp 1,4 Milliarden Tonnen unterschiedlichster Rohstoffe benötigt die deutsche Industrie jährlich. Um diesen Bedarf zu decken, muss Deutschland laut einem Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover in zunehmendem Maße Grundgüter aus aller Welt importieren.

Dies birgt Gefahren. Die auf Sicherheitsfragen spezialisierte Beratungsgesellschaft Sandfire hat in einer Analyse die Gefahrenherde für die Handelswege und damit die Energie- und Rohstoffversorgung Deutschlands ausgemacht. Diese betrifft vor allem die Seewege, der wichtigste Transportweg für den Welthandel.

So bedrohen etwa Piraten die Seewege vor Somalia und Westafrika. Auch in den Gewässern des Inselstaates Indonesien treiben Freibeuter ihr Unwesen. Politische Instabilität und Krisenherde gefährden zudem wichtige Nadelöhre des Seehandels wie den Panama-Kanal oder den Seeweg zu den Ölvorkommen des Persischen Golf. „Die Destabilisierung strategisch bedeutender Küstenregionen bedroht deutsche Sicherheits- und Rohstoffversorgungsinteressen“,  heißt es in der Auswertung, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt.

Doch nicht nur die Handelswege, auch die Lieferländer können Ungemach bereiten. Denn Importe machen die Konjunkturlokomotive Deutschland abhängig vom guten Willen der Produzenten. „Die Versorgung mit Energie- und Rohstoffen impliziert Abhängigkeit. Diese wird zunehmen, weil neue Ressourcenvorkommen in geografisch und geologisch schwieriger zugänglichen Regionen liegen“, ist eine der Kernthesen der Sandfire-Studie.

Bei bestimmten Grundgütern wie den sogenannten Seltenen Erden, die besonders in der High-Tech-Industrie unentbehrlich sind, ist China der Hauptproduzent und kontrolliert die Ausfuhren. Im Zweifelsfall räumt Peking den eigenen Unternehmen vorrangig den Zugriff ein.

So hat China die Exporte an sogenannten seltenen Erden, die in hochwertigen Gütern wie Handys, Elektrofahrzeugen oder Windrädern stecken, für das erste Halbjahr 2012 um 27 Prozent gekürzt. Chinas Weltmarktanteil beträgt 97 Prozent.

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39 Kommentare zu "Versorgungs-Sicherheit: Rohstoff-Knappheit bedroht Deutschlands Industrie"

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  • Ich kenne die Mongolei und vor allen Dingen die Mentalität sehr gut. Wenn man den Mongolen eine Alternative bietet zu den Chinesen, dann machen die das, egal wie dicht bei der chinesischen Grenze geschürft wird. Man hat nämlich sehr viel Angst, dass die Chinesen den Laden durch Unterwanderung übernehmen. Die Mongolen sind kulturell eher den Tibetern beizuordnen.

    Nur bräuchte es eben eine stärkere Interessenvertretung vor Ort und da die deutsche Botschaft in Ulan Batar das Strafkamp ist für gefallene Diplomaten (kälteste Hauptstadt der Welt) kann man sich vorstellen, was da für Glanzlichter sitzen.

  • im übrigen tut auch Deutschland wohl das notwendige,
    auch Kupfer hat nach Deutschland kurze Wege.

    Es kann aus Polen kommen,

    genauso wie das angeblich so notwendige Silber für
    die Industrie.

  • lieber Franz

    was machen Sie

    over the counter

    mit Rohstoffen
    die sind doch längst alle im Schutzgebiet der Schweiz

  • eine Frage, träumen Sie?

    im nächsten Jahr geht in der Mongolei eine sehr, sehr große Kupfermine (Rio Tinto-Ivenhoe-Mongolei-Besitzerstatus) in Betrieb. Das Gebiet liegt nahe an der
    Grenze zu China.
    Sie glauben doch nicht im Ernst, daß die Hemmschwelle dort so groß sein wird, das Kupfer nicht ohne Umstände
    und schnell in das Verbraucherland China zu senden.

  • Dennoch wollen
    wir hier weiter technologisch fröhlich vor uns her
    wachsen und mit allem versorgt werden,was Drittländer
    auf Kosten der Umwelt ausbaden müssen.

    richtig,

    was hat uns denn das Chaos der Weltuntergangs-Jünger wirklich gebracht.

    ca: 200 Canadische Exploercompanies versuchen durch die
    Ursache, die obige erzeugen, Fiat Money geht unter, nur Gold hat Bestand, ins Minergeschäft zu kommen.
    Die buddeln jeden Winkel in Mexico und Peru uns sonstwo um,
    um aus einer Tonne Material 2 Gramm Gold zu fördern,
    nur um einen Mythos zu füttern.
    nACH 10 jAHREN IST DORT ABGERASTE wÜSTE UND MASSIG bERGE UNTERTUNNELT.

    Ganz zu Schweigen vom giftigen Einsatz der Chemikalien
    und den Eingriff in die Wasserhaushalte der Natur.
    Wasser ist ja keine Resource die wie Gold einen scheinbaren Wert besitzt, den im übrigen das Fiat Money aufrechterhält.

    Als Nebenerscheinung lassen sich die Canadischen Companies natürlich
    Fremdfinanzieren, nämlich durch Ausgabe von massenhaften Aktien. Irgendwann wird dann auch dort der Shareholder feststellen, daß Geld für ihn nicht von den Canadiern bedacht ist. Sie minen weg und am Ende stehen sie blank ohne
    Geld und milled out da.
    Dieser Stuß ist mittlerweile eine Milliardenmarkt,
    und wird sich zum großen Teil in Luft auflösen.
    Burning Money everywhere.
    Die Sicherheiten-Dummheiten dieser Gesellschaft und ihre
    Gier nach Easy Money ist genau der Stoff den Villon schon
    im mITTELALTER WUNDERBAR DEFINIERTE:

    Nur wo ihr euer Geld verliert:
    bei Weiber, Wein und Kartenspiel,
    da wiegt ihr allesamt nicht viel.

    Natürlich ist das in einen Neuzeitlichen Kontext zu übertragen. Im Sinne aber immer noch
    genau zutreffend.

  • Hauptsache die Dividenden fließen. Am Ende soll dann ein Staatsfond einspringen. So wird es kommen.

  • Rohstoffknappheit bedroht Deutschlands Industrie? Merken wir hier nichts von. Ich betreue intensiv den Deutschen Sektor im Bereich Moly/Wolfram/Vanadium. Preise sind seit gut 1 Jahr rückläufig. Chile fährt Ueberkapazitäten, China merkt auch wenig vom Mangel.
    Nehmen wir Moly: von 44 Dollar auf momentan ca 32,50 zurück.
    Moly wie auch Vanadium stehen weiter unter Druck. Okay, Angebot und Nachfrage regeln diesen Markt schon lange nicht mehr...

  • Die Mongolei ist ein sehr wichtiges Land, was das betrifft. Und sie mögen die Chinesen nicht, da sie geschichtlich sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht haben.
    Es geht der Mongolei (um die 3 Mio. Einwohner) wirtschaftlich sehr schlecht trotz der Rohstoffvorkommen.

    Ehrlich gesagt, ganz kühl betrachtet würde ich mich eher auf eine Zusammenarbeit mit den Mongolen konzentrieren, wobei allerdings der mongolische Staatsapparat leider sehr korrupt ist und man höllisch aufpassen muss, da auch dort das Clandenken sehr ausgeprägt ist.

  • ach das haben wir bei vielen Metallen,

    was wurde vor Jahren ein Zeck über Moly gemacht, auch
    diesen Zweig haben die Chinesen gut im Griff.
    Molly ging ab wie schmitts Katze bis über 40 Dollar weg, einschlägige Bords quatschten Preise von 100 daher.
    Moly-Akltien und Expolrateure wurden hochspekuliert:

    Ergebnis: Massig Explorer gingen in die Pleite
    der Preis von Molly liegt unter 20 Dollar,k die aber
    mindestens notwendig wären um Neus auf den Weg zu bringen.
    Das Pech für die Tante Moly, sie ist auch ein Beiprodukt
    der Kupferminer.

    Lithium war immer ein heißes Thema.
    1 Firma in Chile hat quasi den Weltwerkt, warum,
    sie hält den Preis so niedrig, daß es unrentabel in
    Bolivien und Argentinien und anderswo auf der Welt
    Verarbekitungsanlagen in Gang zu bringen.
    Damit ist aber Lithium nicht selten, sondern es gibt
    mehr als ausreichend davon.
    Von den kleinen Erden gibts auch genügend, da gehts aber
    darum, daß die chemischen Prozesse die diese bedürfen
    auch auf wenige Nationen beschränkt sind.
    Sie müssen quasi herausgetrennt und gefiltert werden.
    Das ist nicht der herkölmmliche Minenkreislauf, wo man
    einfach Cyanid draufhaut und das DDing ist gelaufen.
    Seltene Erden durchlaufen völlig ander Prozesse.
    Daß diese Prozesse natürlich im Westen besser beharrscht werden liegt auf der Hand.
    Allerdings wäre nun feststellen, was ist denn bei der
    Deutschen Produktion für den Eigenbedarf und was ist für den durchgehenden Posten Export bereitgestellt.
    Ich glaube die AAuflösung würde uns verwundern.

  • lieber lichtenberg, bitte informieren sie sich über den otc-rohstoffhandel und die geplante besteuerung desselben bevor sie hier -reichlich unqualifizierte- kommentare abgeben.

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