Verspätete Lieferung
MTU wehrt sich gegen Airbus-Kritik

Schuld an der verspätete Lieferung des Militärtransporters A400 M hat in den Augen von Airbus-Mutter EADS vor allem die „langsame Triebwerksentwicklung“. Triebwerkshersteller MTU weist jede Mitschuld zurück – und bleibt weiter auf Rekordkurs.

MÜNCHEN. Die Verspätung des Militärtransporters A400 M führt zu Spannungen zwischen den Triebwerksherstellern und Airbus. „Aus unserer Sicht ist es nicht so, dass ein fertiges Flugzeug auf die Triebwerke wartet“, sagte der scheidende MTU-Chef Udo Stark am Donnerstag in München. Stark reagiert damit auf eine Verlautbarung der Airbus-Mutter EADS, die in der vergangenen Woche die verspätete Lieferung des Militärtransporters A400 M vor allem mit der „langsamen Triebwerksentwicklung“ begründete.

Der Militärtransporter soll nach dem neuen Zeitplan im kommenden Sommer seinen Erstflug absolvieren. Die Erstauslieferung der Maschine, von der auch die Bundeswehr 60 Stück bestellt hat, wird nicht vor Ende 2010 beginnen. MTU entwickelt gemeinsam mit der britischen Rolls-Royce, der französischen Snecma und der spanischen ITP die mächtigen Turbopropantriebe, die dem Flugzeug auch den Start und die Landung auf unbefestigten Behelfspisten ermöglichen sollen. Für die Verspätungen hat MTU für das kommende Jahr 25 Mill. Euro zurückgestellt, die Airbus-Mutter EADS ist noch „in der Bewertung der finanziellen Konsequenzen.“

Unabhängig von den Problemen bei der A400 M ist MTU erneut auf Rekordkurs. „In der Luftfahrtbranche hält der Boom an“, betont Stark. „Insgesamt ist MTU so gut positioniert, dass wir unsere im Juli 2007 verbesserte Prognose für das Gesamtjahr bestätigen können“. Die ehemalige Daimler-Tochter peilt nach guten Neunmonatszahlen einen Umsatz von 2,6 Mrd. Euro in diesem Jahr an, das Betriebsergebnis soll auf 385 Mill. Euro steigen, nach 312 Mill. Euro im vergangenen Jahr. MTU kündigte einen weiteren Aktienrückkauf an.

Treiber des Geschäftes ist nach wie vor die hohe Nachfrage nach Triebwerken für zivile Passagierflugzeuge. In den ersten neun Monaten legte das Geschäft mit Triebwerken, Komponenten und Ersatzteilen um 8,7 Prozent zu. Die MTU ist unter anderem an dem Bau des Standardtriebwerks der A320-Familie von Airbus beteiligt, dem derzeitigen Bestseller auf dem Weltmarkt.

Auch das Geschäft mit Antrieben für Militärflugzeuge stieg um knapp neun Prozent. Hier kompensieren die Aufträge für das Kampfflugzeugs „Eurofighter“ das Auslaufen des Geschäftes mit dem Vorgänger „Tornado“. Schub erhält das Eurofighter-Geschäft durch einem Auftrag aus Saudi-Arabien, das Land hat jüngst 72 Maschinen bestellt. Allein dieser Auftrag beschert MTU bis 2016 einen Umsatzschub von 275 Mill. Euro. 620 Eurofighter werden für Deutschland, Großbritannien und Italien gebaut.

Probleme bereitet MTU das zivile Instanhaltungsgeschäft. Nach einer Umstellung auf SAP-Software blieb die Sparte mit einem Zuwachs von zwei Prozent unter Plan. Erst in der vergangenen Woche räumte das zuständige Vorstandsmitglied Bernd Kessler den Stuhl.

Trotz der starken Nachfrage könnte der schwache Dollar dem Unternehmen das Leben schwer machen. Triebwerke und Wartungsarbeiten werden international in Dollar abgerechnet, MTU begleicht aber wie der Flugzeughersteller Airbus die Masse der Kosten in Euro. Für das kommende Jahr kalkuliert MTU mit einem Dollarkurs von 1,40. „Jeder Cent darüber würde uns drei Millionen Euro im Ergebnis kosten“, sagte Finanzvorstand Reiner Winkler.

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