0 Bewertungen
21.01.2008 

"Manche Preise sind kritisch zu bewerten"

Handelsblatt: Herr Borges, in der Medizintechnik gab es in den vergangenen Jahren geradezu eine Welle von Übernahmen. Hält dieser Trend an?

Peter Borges: Ja. Aus Sicht von Investoren ist es vor dem Hintergrund eines stetig wachsenden Gesundheitsmarktes nur plausibel, in diesen Bereich zu investieren. Aus Sicht der Medizintechnikhersteller ist es sinnvoll, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen, um beispielsweise Entwicklungsrisiken zu verteilen. Denn es kommt immer wieder vor, dass Verfahren, die über Jahre entwickelt werden, am Markt nicht zugelassen oder die Kosten dafür von den Krankenkassen nicht übernommen werden.

Einige Unternehmen scheinen sehr teuer zugekauft zu haben. Oft wurde mehr als das Zwanzigfache des Gewinns vor Zinsen und Steuern gezahlt, etwa bei Siemens/Dade Kommt die Ernüchterung?

Für den Markt sind die Höchstpreise, die zum Teil gezahlt wurden, sicher kritisch zu bewerten. Die versprochenen Effizienzgewinne müssen sich nicht einstellen. Oft nimmt durch Übernahmen die Forschungsintensität sogar ab. Vorher gab es den Wettstreit der guten Ideen, nach der Fusion werden die Forschungsabteilungen zusammengelegt. Und, ohne Namen zu nennen: Manchen Unternehmen geht es bei den Übernahmen schlicht um Marktmacht. In manchen Teilbereichen entstehen dann monopolartige Strukturen, die es den Firmen erlauben, den Preiswettbewerb quasi auszuschalten.

Welche Segmente sind aus Sicht der Medizintechnik vielversprechend?

Durch die demografische Entwicklung steigt das Volumen der altersbedingten Krankheiten. Gelenkersatz wird ein großes Thema in der Medizintechnik werden. Auch die bildgebenden interventionellen Verfahren etwa in den Bereichen Kardiologie (z.B. Kardio-CT) und Neurochirurgie bleiben ein Wachstumsmarkt.

Es wird hierzulande viel vom Trend zu mehr ambulanten Behandlungen gesprochen. Profitiert davon die Medizintechnik?

Das würde ich eher neutral sehen. Wir haben in Deutschland tatsächlich einen Nachholbedarf im ambulanten Bereich. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass es einen Investitionsschub gibt. Wenn die Krankenhäuser dazu übergehen, ihre ambulanten Bereiche auszubauen, ist die Ausstattung dazu in der Regel ja schon vorhanden. Letztlich ist es eine Frage, wie künftig die ambulanten Leistungen vergütet werden. Solange die stationären Leistungen attraktiver vergütet sind als die ambulanten, ist mit nicht mit einer großen Veränderung in dem Bereich zu rechnen.


Peter Borges ist Partner im Bereich Gesundheit bei Deloitte.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Von Pierer legt Thyssen-Aufsichtsratsmandat nieder  Artikel in Merkliste

Der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer legt sein Aufsichtsratsmandat beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp zum 15. November nieder. Das hat der Konzern in Düsseldorf mitgeteilt. Artikel


Anzeige