Verstoß gegen Monopolgesetz

Audi akzeptiert Millionenstrafe in China

Die chinesischen Behörden sind gnädig mit dem deutschen Autobauer Audi - und sprechen wegen Verstößen gegen Monopolgesetze die Minimalstrafe aus. Nun wollen die Ermittler weitere Branchen ins Visier nehmen.
Update: 13.08.2014 - 08:53 Uhr Kommentieren
Unter Maos strengem Blick: Audi muss in China eine Millionenstrafe zahlen. Quelle: Reuters

Unter Maos strengem Blick: Audi muss in China eine Millionenstrafe zahlen.

(Foto: Reuters)

PekingAudi und sein chinesischer Partner FAW haben im gemeinsamen Unternehmen in China Verstöße gegen das Anti-Monopolgesetz eingestanden. Eine Untersuchung der Preiswächter der Provinz Hubei habe ergeben, dass beim Händlernetz teilweise gegen das nationale Anti-Monopolgesetz verstoßen worden sei, teilte Audi am Mittwoch auf Anfrage mit. „Das Audi Joint-Venture FAW-Volkswagen hat bei den Untersuchungen eng mit den Behörden zusammengearbeitet und wird eine Strafe akzeptieren“, hieß es in der Mitteilung.

Chinesische Medien berichteten unter Berufung auf Ermittler, dass es eine Strafe in Höhe von 1,8 Milliarden Yuan (218 Millionen Euro) geben werde. Das entspricht etwa einem Prozent des Umsatzes von Audi in China im Jahr 2013 - und ist damit die Minimalstrafe, die das chinesische Anti-Monopolgesetz zulässt. Im schlimmsten Fall hätte Audi eine Strafe von zehn Prozent des Umsatzes gedroht.

Die Strafzahlung könne auf die Audi-Händler in der Provinz Hubei übertragen werden. Audi wollte sich nicht zu möglichen Strafzahlungen äußern. „Bitte verstehen Sie, dass wir den Vorgang nicht weiter kommentieren, solange die zuständigen Behörden die Untersuchung nicht abgeschlossen und veröffentlicht haben“, teilte das Unternehmen lediglich mit.

Das Gemeinschaftsunternehmen von Audi und FAW soll Mindestpreise für Ersatzteile und Dienstleistungen festgelegt haben, hieß es in den Medienberichten. Das ist jedoch nach Chinas Wettbewerbsgesetz verboten.

Neben Audi sind auch andere deutsche Autobauer im Visier der chinesischen Behörden: Gegen Daimler wird ebenfalls ermittelt. Insgesamt sollen mehr als 1.000 chinesische und ausländische Unternehmen der Autoindustrie von den Ermittlungen betroffen sein, darunter auch Zulieferer und Händler. Die Ermittlungen hatten zuletzt zu Preissenkungen geführt, mit denen die Hersteller, darunter auch VW und BMW, ihre Kooperationsbereitschaft signalisieren wollen.

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In China gibt sich das Who is Who der Dax-Konzerne die Klinke in die Hand - von Adidas bis Volkswagen. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao (Foto) warb bei seinem Besuch um noch größere Investitionen in seinem Land. Im Folgenden ein Überblick über die Aktivitäten wichtiger deutscher Firmen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

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Airbus

Erst heute gab es einen dicken Auftrag als Gastgeschenk: Der Flugzeugbauer Airbus hat einen Milliardenauftrag aus China erhalten. Airbus-Chef Thomas Enders (Foto) unterzeichnete am Rande des deutsch-chinesischen Gipfels eine Kaufvereinbarung mit der Leasingsparte der chinesischen Großbank ICBC über 62 Mittelstreckenmaschinen des Typs A320neo.

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Laut Preisliste hat der Auftrag ein Volumen von etwa 5,6 Milliarden US-Dollar (3,95 Milliarden Euro). Die modernisierte und spritsparende A320-Version „neo“ kostet je Maschine laut Liste gut 91 Millionen US-Dollar. Allerdings sind in der Branche Rabatte im zweistelligen Prozentbereich üblich. Zusätzlich unterzeichnete die EADS-Tochter Airbus ein Rahmenabkommen über die Lieferung weiterer A320-Maschinen mit dem Unternehmen China Aviation Supplies (CAS).

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Daimler  

Große Freude auch bei Daimler-Chef Dieter Zetsche (ganz rechts). Im Besein von Kanzlerin Angela Merkel unterzeichnete der Konzern einen Rahmenvertrag mit Joint Venture-Partner BAIC über Investitionen von umgerechnet rund 2 Milliarden Euro. Der Vertrag beinhaltet die Fertigung mehrerer Baureihen der neuen Kompaktwagen sowie des GLK, den Bau einer Motorenfabrik für Pkw und Vans sowie die Erweiterung ihrer technischen Kapazität auf 250.000 Einheiten.

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Daimler will zusammen mit seinen Partnern in den nächsten Jahren drei Milliarden Euro in China investieren. Unter anderem soll die Produktion von Pkw und Nutzfahrzeugen ausgebaut und die Entwicklung von Elektroautos vorangetrieben werden. Bis 2015 will der Konzern 300.000 Autos in China verkaufen, wovon mindestens 200.000 vor Ort produziert werden sollen.

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Die Stuttgarter haben den Absatz in China zuletzt kräftig ausgebaut, ihr größter Absatzmarkt ist aber weiter Deutschland gefolgt von den USA. Autos produziert Daimler zusammen mit dem chinesischen Partner BAIC in Peking, Lieferwagen mit Fujian. Mit dem Auto- und Batteriehersteller BYD entwickelt Daimler Elektroautos. Demnächst will der Konzern zudem mit Beiqi Foton Lkws bauen.

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Adidas

China wird neben den USA und Russland der wichtigste Wachstumstreiber in den nächsten Jahren sein. Der fränkische Sportartikel-Hersteller plant 2011 währungsbereinigt wieder mit einem Umsatzplus von mindestens zehn Prozent und will dort die Marke von einer Milliarde Euro übertreffen.

Seit dem vergangenen Jahr führt die chinesische Führung verstärkt Ermittlungen gegen ausländische Unternehmen. Kürzlich wurde ein Verfahren gegen den US-Softwareriesen Microsoft bekannt, dem chinesischen Medien zufolge bei seinem Betriebssystem Windows ein De-facto-Monopol vorgeworfen wird. Staatlichen Medien zufolge plant die Regierung zudem, gegen den US-Chiphersteller Qualcomm vorzugehen.

Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass nach der Autoindustrie auch andere Industriezweige, wie die Zementhersteller und die Pharmaindustrie, stärker untersucht werden sollen.

Im vergangenen Jahr hatte die chinesische Führung wegen illegaler Preisabsprachen eine Strafe von umgerechnet 80 Millionen Euro gegen sechs Babymilchproduzenten verhängt. Fünf der Firmen stammen aus dem Ausland.

  • dpa
  • afp
  • bay
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