Verteidigungsindustrie: Mayday, mayday – Militärtransporter A400M schmiert ab

Verteidigungsindustrie
Mayday, mayday – Militärtransporter A400M schmiert ab

Der Militärstransporter A400M ist für EADS der reinste Katastrophenflieger – der nun beim Verteidigungsministerium das Fass zum Überlaufen gerbacht hat. Denn schon wieder verzögert sich die Produktion. Folge: Die Militärs sind merklich verschnupft und der Aktienkurs von EADS sackt ab.

HB BERLIN. Es ist unüblich, sehr unüblich sogar. Eigentlich dringt nämlich nichts von dem, was Militärs mit Unternehmen aus dem Verteidigungssektor besprechen an die Öffentlichkeit. Ganz besonders dann nicht, wenn der eine mit dem anderen unzufrieden ist. Dass das Bundesverteidigungsministerium nun vom Flugzeugbauer Airbus Aufklärung über die weitere Produktionsverzögerung des neuen Militärtransporters A400M fordert, lässt folglich umso mehr aufhorchen.

Vor allem deshalb, weil ein Ministeriumssprecher in Berlin offen ließ, ob das BMVg Konsequenzen aus der aktuellen Entwicklung ziehen wird. Der Sprecher des BMVg sagte aber, es gebe einen klaren Auslieferungsplan und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wäre dankbar dafür, wenn das Unternehmen nach diesem Plan liefere. Jungs Position ist: „Verträge sind einzuhalten.“ Die Bundeswehr brauche dringend die Kapazitäten der A400M-Maschine zur Verlegung von Soldaten und Gerät.

Einzelheiten sollen dazu zwar nicht öffentlich besprochen werden, aber dass sich die Militärs überhaupt in dieser Weise geäußert haben, ist sowieso schon drastisch genug – was sich unter anderem am Aktienkurs ablesen lässt.

Die EADS-Papiere gaben an ihrer Pariser Heimatbörse am Montag zeitweise 3,4 Prozent auf 13,23 Euro nach. Die im deutschen Nebenwerte-Index MDax gelisteten Titel verloren 3,1 Prozent auf 13,25 Euro. Die Begrünudng hierfür liegt auf der Hand: EADS könnten milliardenschwere Strafzahlungen bei verspäteter Lieferung des A400M drohen, für den bereits knapp 200 Bestellungen vorliegen, davon 60 allein aus Deutschland. Airbus hinkt bei der Entwicklung des A400M unter anderem wegen Problemen mit den Triebwerken dem ursprünglichen Zeitplan um Jahre hinterher.

Auf dem Parkett wie auch bei Experten sorgt das nicht mehr für Verwunderung. So sagte ein Händler nur: „Das ist nach den ganzen Verzögerungen, die es bereits gab, nun auch keine Überraschung mehr. Positiv ist es aber erst recht nicht.“ Und Analyst Winfried Becker von Sal. Oppenheim schrieb in einer ersten Analyse: „Die schlechten Nachrichten scheinen nicht abzureißen.“

Dass EADS ein neues Programm aushandeln möchte, zeige erneut die fundamentalen Probleme des A400M-Programms auf. Andererseits dürfte der Markt nun mehr Klarheit über den neuen Zeitplan erhalten. EADS werde weitere, deutliche Rückstellungen bilden müssen.

Analyst Antoine Boivin-Champeaux von Cheuvreux will die anstehenden Pressekonferenzen von Airbus und EADS abwarten, die möglicherweise mehr Licht auf das immer noch vage Problem werfen. Die Kosten für die Verzögerung veranschlagt der Experte nach derzeitigem Stand und unter Berücksichtigung möglicher Neuverhandlungen der Strafzahlungen auf etwa eine Milliarde Euro. Er beließ die Einschätzung „Outperform“ mit einem Kursziel von 18 Euro unverändert.

Für Verärgerung sorgt im Verteidigungsministerium dem Vernehmen nach vor allem auch, dass der Airbus-Mutterkonzern EADS mitteilte, die erste Auslieferung eines Flugzeugs sei nun drei Jahre nach dem ersten Testflug vorgesehen, aber keinen Termin für diesen Erstflug nannte. Branchenkenner rechnen jetzt mit einer Auslieferung des Flugzeugs etwa ab 2013 statt ab 2009.

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