Vertrag läuft bis Ende 2004
RWE-Gas-Chef Scholle steht unter Druck

Die 46 kommunalen Vertreter diskutierten die Kompromissvorschläge von RWE zur Eingliederung ihres Gasgeschäfts in eine neue Vertriebsgesellschaft.

HB DÜSSELDORF. RWE-Gas-Vorstandschef Manfred Scholle werde noch in diesem Jahr aus dem Unternehmen ausscheiden, hieß es in den Kreisen des RWE-Konzerns am Dienstag. Sein Fünf-Jahres-Vertrag wäre bis Ende 2004 gelaufen. Scholle vertrete offenbar nicht mehr die Interessen des RWE-Konzerns, hieß es zur Begründung in den Kreisen.

Von Seiten der kommunalen Aktionäre wurde indes darauf hingewiesen, dass Vorstandspersonalien im RWE-Gas-Aufsichtsrat nur mit Mehrheit beschlossen werden könnten. Da die kommunalen Aktionäre acht Sitze, die Vertreter des RWE-Konzerns aber nur sechs Sitze im RWE-Gas-Kontrollgremium hätten und die Vertreter der Arbeitnehmerseite hinter Scholle stünden, sei eine Demission des Gas-Chefs eher unwahrscheinlich, hieß es in Kreisen von RWE-Gas. Bei RWE und RWE Gas hieß es unisono, man beteilige sich nicht an Personalspekulationen.

Der 56-jährige Scholle, der auch Präsident des Bundesverbandes der Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) ist, war im neuen Konzern-Konzept der RWE ursprünglich als Leiter einer der neuen regionalen Vertriebsgesellschaften vorgesehen gewesen. Diese Berufung hatte der Konzernvorstand aber vor wenigen Wochen bereits zurückgenommen.

Die kommunalen Aktionäre von RWE Gas widersetzen sich der vom RWE-Konzernvorstand beabsichtigten Eingliederung des Gasgeschäfts in eine neue Vertriebsgesellschaft. Mit ihrer Haltung blockieren sie daher die vollständige Umsetzung des RWE-Konzernumbaus, der im Kern die Zusammenlegung des Vertriebs von Strom und Gas sowie die Bündelung der Energieerzeugung in einer neuen Gesellschaft vorsieht.

Verhandlungen bislang ergebnislos

Verhandlungen über einen Kompromiss verliefen bislang ergebnislos. Am Dienstagnachmittag wollten die 46 kommunalen Aktionäre, die rund 20 Prozent an RWE Gas halten, die jüngsten Vorschläge von RWE-Konzernseite beraten. RWE-Konzernvorstand Gert Maichel habe bislang zwei Alternativvorschläge unterbreitet, hieß es in den Kreisen weiter. Knackpunkt sei die Höhe der Abfindung, die RWE den kommunalen Aktionären für ihren Anteil an RWE Gas geben wolle. Das Treffen dauerte am Abend noch an. Beschlüsse über das weitere Vorgehen müssen im Kreis der kommunalen Aktionäre von RWE Gas einstimmig gefasst werden.

Von Vertretern der kommunalen Aktionären hatte es schon mehrfach geheißen, der Wert ihrer Beteiligung belaufe sich auf etwa zwei Milliarden Euro. Diese Summe setze sich zusammen aus dem Unternehmenswert und einer bis 2027 zugesagten Garantiedividende von 40 Millionen Euro jährlich. RWE-Konzernchef Harry Roels hatte aber schon erkennen lassen, dass er nicht bereit sei, so viel zu bezahlen.

Ein Sprecher der kommunalen Aktionäre sagte, man wolle in der Sitzung am Dienstag ein Meinungsbild herstellen, das als Richtschnur in den weiteren Verhandlungen mit RWE gelten soll. Die Verhandlungen führt seitens der kommunalen Aktionäre der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Wolfgang Schäfer.

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