Vertrag mit Opel
Einigung von Michelin und GM lässt Conti kalt

Nach jahrelangem Streit wird Michelin ab 2008 wieder Reifen an Opel liefern. Trotzdem sieht der größte GM-Zulieferer Continental sein Geschäft nicht in Gefahr. Die droht vor allem kleineren Lieferanten.

hof FRANKFURT. Das Ende des jahrelangen Streits zwischen dem französischen Reifenhersteller Michelin und dem weltgrößten Autohersteller General Motors (GM) bereitet dem bisherigen GM-Hauptlieferanten Continental anscheinend keine Sorgen: „Für uns hat das keine unmittelbaren Konsequenzen“, kommentierte ein Conti-Sprecher, „wir sind mit GM gut im Geschäft“. Laut Brancheninformationen werden vor allem kleinere Lieferanten Anteile an Michelin abgeben müssen.

Zwischen den Franzosen und GM herrschte fast vier Jahre lang Funkstille, nachdem sich beide Unternehmen bei Preisverhandlungen zerstritten hatten. Für die nächste Opel- Vectra- und Saab-Plattform wird Michelin ab 2008 nun wieder Reifen liefern, heißt es im Unternehmen. Ein Opel-Sprecher sagte lediglich, dass zwischen beiden Firmen wieder Geschäftsbeziehungen bestehen und bestätigte damit einen Bericht der FAZ. Zu Details, etwa über den Stand der Vertragsverhandlungen oder den Umfang der Lieferungen, wollte er sich allerdings nicht äußern. Das Liefervolumen lässt sich nur langsam steigern, da die Verträge in der Automobilbranche an die Produktzyklen von mehreren Jahren gebunden sind.

Funkstille seit 2002

Der Streit, der sich in Europa entzündet hatte, sorgte 2002 für den Abbruch sämtlicher Geschäftsbeziehungen zwischen GM und Michelin. Zuvor hatten die Franzosen immerhin rund fünf Prozent ihres Umsatzes mit der weltweiten Nummer eins der Automobilbranche gemacht. Größter Profiteur der Auseinandersetzung war damals Continental. Durch die konsequente Verlagerung der Produktion an Billigstandorte konnte das Unternehmen den Preisvorstellungen von GM entgegenkommen. Conti ist hinter Michelin, Bridgestone und Goodyear der viertgrößte Reifenhersteller der Welt und ist in den vergangenen Jahren am schnellsten gewachsen. Das direkte Geschäft mit der Erstausrüstung von Autos ist zwar renditeschwach, gilt aber in der Branche als Schlüssel für das lukrativere Folgegeschäft mit den Privatkunden.

Die Reifen für Opel, Vauxhall und Saab sollen dem Vernehmen nach hauptsächlich aus dem deutschen Michelin-Werk in Bad Kreuznach kommen, wo 1 700 Mitarbeiter beschäftigt sind. Insgesamt arbeiten für den französischen Konzern in Deutschland nach Unternehmensangaben an fünf Produktionsstandorten inklusive Vertriebszentrale und Beteiligungen rund 8 900 Mitarbeiter. Jedes Jahr produzieren die Franzosen in Deutschland rund 17 Millionen Reifen.

Angesichts stagnierender Automobilmärkte in Europa und den USA nimmt der Wettbewerbsdruck vor allem auf dem Erstausrüster-Sektor zu. Zusätzlich wird die Reifenbranche auf der Kostenseite durch anhaltend hohe Rohstoffpreise belastet. Bislang hat aber die Preisdisziplin in der Branche weitgehend funktioniert, so dass beispielsweise Conti-Chef Manfred Wennemer auch für das vergangene Jahr melden konnte, dass die höheren Belastungen durch Preiserhöhungen kompensiert werden konnten. „Doch der Preisdruck wird zunehmen, wenn die Marktschwäche anhält“, prognostizieren die Analysten von Morgan Stanley.

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