Vertragsverlängerung bei VW
Pischetsrieder scheint seiner Sache unsicher

Für Bernd Pischetsrieder wird es als VW-Chef eng: Zuerst demontierte ihn Aufsichtsrats-Chef Ferdinand Piech. Dann verweigerten ihm die Großaktionäre ihre Hilfe. Und nun raten ihm auch noch VW-Manager, er solle sich nach alternativen Jobs umsehen. Aufgeben will Pischetsrieder zwar nicht, aber er klingt verunsichert.

HB FRANKFURT. „Auch ich kenne keine Firma, bei der ein Vorstand gegen den Willen der zehn Arbeitnehmervertreter bleiben kann“, sagte Pischetsrieder der „Financial Times“ (Donnerstagausgabe) und wiederholte damit fast wortgleich Äußerungen des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech vom Vortag aus dem „Wall Street Journal Europe“. Das Piech-Interview habe er jedoch nicht gelesen, sagte Pischetsrieder.

Piëch hatte gesagt, es sei eine „offene Frage“, ob der Vertrag Pischetsrieders als Vorstandsvorsitzender im kommenden Jahr verlängert werde. Piëch betonte zwar, er werde im Aufsichtsrat für eine Vertragsverlängerung stimmen. Er deutete jedoch an, dass die Arbeitnehmerseite gegen Pischetsrieder stimmen werde. „Ich schätze, es steht zehn zu zehn Stimmen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende und ergänzte vielsagend, er kenne kein deutsches Unternehmen, wo jemand überleben konnte, der zehn Stimmen der Arbeitnehmerseite gegen sich hatte.

„Der Machtkampf bei VW zwischen Piëch und Pischetsrieder geht jetzt in die nächste Runde“, sagt Philip Rosengarten, Autoexperte des Analyseinstituts Global Insight. Bereits in den vergangenen Wochen deutete sich an, dass Pischetsrieder zunehmend mit der Strategie seines Vorgängers Piëch bricht – und sowohl Piëch als auch die Betriebsräte dadurch verärgert. Statt das unter Piëch perfektionierte VW-Konsensmodell, also die harmonische Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmerseite, zu pflegen, hatte er den Abbau von bis zu 20 000 der 100 000 Stellen in Westdeutschland angekündigt. Außerdem will er nach mehr als zehn Jahren zurück zur Fünf-Tage-Woche – und das ohne Lohnausgleich.

Trotz des Widerstands will Pischetsrieder an seinen Umbauplänen festhalten. „Das wird mich nicht davon abhalten, das Nötige durchzusetzen“, sagte er der „Financial Times“.

Weder Hauptaktionär Porsche noch Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff wollten Pischetsrieder am Mittwoch nach den Äußerungen von Piëch öffentlich den Rücken stärken. „Die Landesregierung beteiligt sich nicht an den Personalspekulationen“, sagte ein Regierungssprecher dem Handelsblatt. Auch Porsche ließ nur knapp mitteilen: „Das sind Themen, die im Aufsichtsrat zu besprechen sind.“

Dabei schien die Vertragsverlängerung nach langem Hin und Her mittlerweile so gut wie sicher. Vor knapp sechs Wochen hatte Wulff erklärt, noch vor der Hauptversammlung am 3. Mai solle Pischetsrieders Vertrag um fünf Jahre verlängert werden. Dies war Teil eines Kompromisses zur Neuordnung des Aufsichtsrats: Danach zieht sich Piëch vom Aufsichtsratsvorsitz zurück, und Wiedeking rückt als Vertreter des neuen Großaktionärs Porsche in das Gremium ein.

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