Vertragsverlängerung
Gönner des VW-Chefs bleiben stumm

Es scheint so, als solle der VW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder öffentlich demontiert werden. Den Angriff eröffnete Aufsichtsratschef Ferdinand Piech. Er sagte, es sei keineswegs sicher, dass der bald auslaufende Vertrag Pischetsrieders verlängert werde. Die Großaktionäre schweigen.

HB FRANKFURT. Die Erneuerung des Vertrags sei offen, sagte Piech dem „Wall Street Journal Europe“ (Mittwochausgabe). Er sehe im Kontrollgremium ein Stimmenverhältnis von zehn zu zehn, Er selbst werde mit der Kapitalseite für eine Verlängerung des Vertrages stimmen. Die Verlängerung könnte aber auf starken Widerstand der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stoßen, sagte Piech der Zeitung. Denn: „Ich kenne kein Unternehmen in Deutschland, wo jemand mit zehn Arbeitnehmer-Gegenstimmen überleben konnte.“

Die Arbeitnehmervertreter selbst hielten sich am Mittwoch bedeckt. „Das Thema steht zurzeit nicht an und wir werden Spekulationen zu Personalien keine neue Nahrung geben“, erklärte der Konzern- und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Gründe für eine ablehnende Haltung der Arbeitnehmerseite gäbe es allerdings reichlich. Pischetsrieder fährt einen rigiden Sparkurs sein. Die Arbeitszeit soll steigen, das Gehalt sinken. 20 000 Stellen stehen auf dem Prüfstand.

Rückendeckung bei diesen Plänen hatte Pischetsrieder bisher stets von den Großaktionären Porsche und Land Niedersachsen bekommen. Diese hatten ihren Willen kundgetan, dass Pischetsrieder bis mindestens 2012 an der Spitze von VW bleiben soll. Der Linie schloss sich Piech an: „Ich folge den Aktionären, das ist alles.“ Porsche wollte sich am Mittwoch allerdings nicht öffentlich hinter Pischetsrieder stellen. „Das sind Themen, die im Aufsichtsrat zu besprechen sind“, sagte ein Sprecher. Ein Sprecher der niedersächsischen Staatskanzlei lehnte einen Kommentar ab.

Pischetsrieder galt als angeschlagen, nachdem Piech im Herbst 2005 den IG-Metall-Kandidaten Horst Neumann gegen den Willen des Vorstandsvorsitzenden zum neuen VW-Personalchef berief. Pischetsrieder beeilte sich zwar, alle Rücktrittsgerüchte zu dementieren. Doch Piech habe durchaus Überlegungen angestellt, Pischetsrieder durch Audi-Chef Martin Winterkorn abzulösen, berichteten Insider damals. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hätten dies jedoch direkt abgelehnt. Und auch der potenzielle Gegenkandidat Winterkorn winkte am Dienstag auf dem Genfer Autosalon ab. Er wolle lieber die Erfolge der Ingolstädter VW-Ertragsperle weiter genießen und nicht nach Wolfsburg wechseln.

Pischetsrieders Kontrakt als Vorstandschef von VW läuft 2007 aus. Der Vertrag kann vom Aufsichtsrat frühestens unmittelbar vor der Hauptversammlung am 3. Mai in Hamburg verlängert werden. Pischetsrieder war Piech 2002 an der Spitze des Wolfsburger Unternehmens gefolgt, letzterer wechselte an die Spitze des Kontrollorgans.

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