Vertrauensverlust bei Investoren belastet finanzielle Gesundung des größten deutschen Baustoff-Herstellers
Zweifel an Strategie von Heidelcement

Das Management von Heidelberg Cement gerät zunehmend unter Druck. Unter Analysten und Investoren wachsen Zweifel an der Strategie des größten deutschen Baustofflieferanten.

HEIDELBERG. „Wir glauben, dass Investoren kein zusätzliches Kapital in Heidelberg Cement investieren sollten“, warnt Robert Crimes von der Investmentbank JP Morgan.

Experten sorgen sich nach einer Übernahme-Tour und gestiegener Schulden (4,2 Mrd. Euro Ende 2002) um die finanzielle Stabilität von Heidelberg. Der Konzern hat später als die Konkurrenz begonnen, in Wachstumsmärkte zu investieren, und Zukäufe teuer bezahlt.

Nun steckt das Heidelberg-Management in der Zwickmühle. Mehr denn je ist es an den Kapitalmärkten auf Reputation angewiesen. Gerade erst hat der Konzern eine Refinanzierung mit einem Volumen von gut 2,4 Mrd. Euro festgezurrt. Bestandteil ist eine neue Kreditlinie, eine Hochzins-Anleihe und eine Kapitalerhöhung über 400 Mill. Euro. „Das Gesamtvolumen gewährleistet, dass Heidelberg Cement für die nächsten Jahre über ein umfassendes und sicheres finanzielles Fundament verfügt“, gibt sich Vorstandschef Hans Bauer zuversichtlich. Auf Anfrage wollte eine Firmensprecherin auf die Kritik von Analysten nicht weiter eingehen.

Die neuen Aktien dürften auf begrenztes Interesse stoßen. Die Ratingagentur Standard & Poors hat das gesamte Refinanzierungsvorhaben auf ein spekulatives „Ramsch- Niveau“ gestuft. JP Morgan empfiehlt, das Zeichnen der Papiere doch lieber dem Großaktionär zu überlassen, der angeboten hat, Restbestände zu übernehmen.

Dem Vernehmen handelt es dabei um Unternehmer Adolf Merckle (Anteil 12,8 %). Merckle gehören der Generika-Hersteller Ratiopharm, die Phoenix Pharmahandel AG & Co KG und der Arzneihersteller Merckle. In Bankenkreisen halten sich hartnäckig Gerüchte, Merckle nutze den günstigen Kurs, um seinen Anteil bei Heidelberg aufzustocken. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten über 60 % an Wert eingebüßt.

Die häufig gegenteiligen Interessen der Großaktionäre verschärfen die Zweifel vieler Investoren. Zu den Großaktionären gehören auf der einen Seite Merckle sowie die Beteiligungsgesellschaft Schwenk (22,4 %) und auf der anderen Seite die Allianz (17,7 %). Investoren bemängeln zudem die intransparente Kommunikationspolitik. Sie wissen nicht, was Vorstandschef Bauer mit dem frischen Kapital vorhat.

Zwar will Bauer in Wachstumsmärkte wie Asien expandieren und die Dominanz der reifen Märkte wie Deutschland reduzieren. Gleichzeitig geht er aber in Deutschland und damit in jenem Land auf Einkaufstour, in dem ein zerstörerischer Preiskampf tobt. So erwarb er Anfang des Jahres das deutsche Betongeschäft von Buderus und führt nach eigenen Angaben Gespräche mit weiteren Firmen. Angesichts dessen urteilt JP Morgan: „Wir fürchten, dass die Mittel für eine weitere Expansion in Deutschland genutzt werden könnten.“

Zudem schwindet die Hoffnung, dass Heidelberg die Schulden wie angekündigt in diesem Jahr um 500 Mill. Euro reduzieren kann. Die dafür notwendigen Verkäufe von Randbereichen sind ins Stocken geraten. Noch dazu schränkt die teure Refinanzierung den Spielraum weiter ein, unter anderem wegen des steigenden Zinsaufwandes. „Ab 2004 sind Belastungen zu erwarten“, sagt Erhard Schmitt von Helaba Trust. Auf absehbare Zeit kommen weitere 700 Mill. Euro Schulden durch die Konsolidierung der Beteiligung Indocement in die Bilanz.

Zugleich fließen die Erträge nur noch spärlich. In Deutschland kämpft der Konzern mit schwacher Nachfrage und starkem Preisverfall. Die jüngste Kartellbuße verstärkt diesen Effekt. „Das hat das Gefüge von engen Absprachen zusammenbrechen lassen. Jetzt befinden sich die Preise im freien Fall“, berichtet ein Insider.

Um gegenzusteuern, hat Bauer vorerst aufgegeben, die Tochter HBE zu verkaufen – obwohl es dem Vernehmen nach bereits einen Käufer und einen Vertrag gegeben hat. Doch Heidelberg braucht die profitable HBE, um den operativen Cash-flow sicherzustellen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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