Vertuschungsskandal erreicht neuen Höhepunkt
Polizei verhaftet Ex-Chef von Mitsubishi Motors

Der Rückrufskandal bei Daimler-Chryslers Lastwagentochter Fuso zieht immer weitere Kreise. Die Polizei verhaftete gestern sechs ehemalige Manager, darunter Katsuhiko Kawasoe, den Ex-Präsidenten des ehemaligen Mutterkonzerns Mitsubishi Motors (MMC).

bas/hz TOKIO. Ihnen wird vorgeworfen, Fehler im Kupplungsgehäuse von Lastwagen nicht gemeldet zu haben. Diese hätten 2002 zu einem tödlichen Unfall eines Lastwagenfahrers geführt. „Der Vorfall ist inakzeptabel für jeden Autobauer, der Sicherheit zur höchsten Priorität machen sollte“, sagte Verkehrsminister Nobuteru Ishihara in einer Erklärung.

Es ist die zweite Verhaftungswelle im Zuge von Qualitätsskandalen des japanischen Lastwagenbauers, an dem Daimler-Chrysler seit Frühjahr dieses Jahres 65% hält. Anfang Mai waren bereits sieben Manager wegen eines anderen tödlichen Unfalls auf Grund mangelhafter Radnaben im Jahr 2002 verhaftet worden. Beschuldigt in beiden Fällen wird auch der ehemalige Fuso-Chairman Takashi Usami. Erst vor wenigen Tagen hatte Fuso dem Verkehrsministerium 93 weitere Qualitätsmängel gemeldet. Das von Daimler entsandte Managementteam unter Fuso-Chef Wilfried Porth durchforstet derzeit die Vergangenheit der Firma. Am kommenden Dienstag will Fuso weitere Einzelheiten bekannt geben.

Die Probleme bei Fuso trüben das ohnehin stark abgekühlte Verhältnis zwischen Daimler und MMC weiter. Bereits Ende April hatte Daimler überraschend entschieden, sich an einer dringend notwendigen Finanzspritze für MMC nicht zu beteiligen und damit den Rückzug vom japanischen Partner eingeleitet. Nunmehr fassen die Stuttgarter sogar eine Schadensersatzklage wegen der vertuschten Qualitätsmängel bei Fuso gegen MMC ins Auge. Ihre Ansprüche wollen sie aber zunächst in Verhandlungen mit MMC klären, hieß es.

Tatsächlich dürfte der Skandal, der noch in die Zeit fällt, als MMC für die LKW-Tochter verantwortlich ist, das Image von Fuso auf dem Heimatmarkt nachhaltig ramponieren. Für die Asienstrategie von Daimler-Chef Jürgen Schrempp bedeutet die Entwicklung einen erneuten Rückschlag. Denn nach dem Ende der LKW-Allianz mit dem koreanischen Hersteller Hyundai ruhen die Hoffnungen der Stuttgarter im Nutzfahrzeuggeschäft in der Region auf Fuso.

In Japans Medien sind die Unfälle und Qualitätsmängel allerdings Topthema. Staatliche Stellen, Kommunen und auch private Busgesellschaften kaufen ihre Lastwagen und Busse derzeit lieber bei der Konkurrenz. Damit steht Fuso ein hartes Jahr bevor. Ohnehin wird für die japanische LKW-Branche mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 30 Prozent gerechnet, da das Vorjahr noch durch eine Sonderkonjunktur wegen strengerer Umweltanforderungen geprägt war.

Währenddessen schreitet die personelle Trennung im Management zwischen MMC und Daimler weiter voran. Erneut müssen sich von Daimler angestellte MMC-Manager ans Kofferpacken machen. Unter anderem verlassen Chefdesigner Olivier Boulay, Produktplaner Kai-Uwe Seidenfuss und Einkaufschef Stefan Buchner das Unternehmen. Gemeinsame Projekte wie die Kooperation bei den Modellen Colt und Smart sowie weit gediehene Projekte im C- und D-Segment sollen jedoch weiterlaufen, betonten beide Unternehmen einhellig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%