Verwaltungsratssitzung verschoben
A350 spaltet EADS-Eigner

Das Projekt des neuen Langstreckenflugzeugs A350 droht den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zu spalten. Mit dem neuen Termin für die Verwaltungsratssitzung gönnen sich die Kontrahenten noch etwas Zeit. Streitpunkt zwischen der französischen Regierung und den Anteilseignern Lagardère und Daimler-Chrysler ist dabei nicht allein die Finanzierung des Zehn-Mrd.-Euro-Projektes.

BERLIN / MÜNCHEN / STUTTGART. Paris ist nach Informationen des Handelsblatts auch nicht bereit, das umfangreiche Sanierungsprogramm „Power 8“ mitzutragen. Die kurzfristig abgesagte Verwaltungsratssitzung des Airbus-Mutterkonzerns EADS zu dem neuen Langstreckenflugzeug A350 ist jetzt Ende der kommenden Woche geplant. Dabei soll es um die milliardenschwere Finanzierung des A350, die angesichts der Probleme von Airbus mit dem Riesenflugzeug A380 als problematisch und risikoreich gilt. Die für Freitag angesetzte Sitzung des EADS-Verwaltungsrates zum A350 und zum Airbus-Sanierungsprogramm Power8 war am Vorabend abgesagt worden.

Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, sind die Anteilseigner jedoch nicht gewillt, das Zehn-Mrd.-Projekt über eine Kapitalerhöhung zu finanzieren, wie es der französische Staat wünscht. Paris könnte dabei versuchen, seinen Einfluss auf den Konzern zu stärken. Eine Aufstockung des französischen Staatsanteils sei weder im Interesse der industriellen Aktionäre noch im Interesse von EADS bzw. ihrer Luftfahrttochter Airbus, berichtete die Nachrichtenagentur Dow Jones.

Wie es weiter heißt, werden die beiden Anteilseigner kein Votum über die Zukunft des A350-Projekts abgeben, solange keine Einigung über die Finanzierung erreicht werden kann. Zudem würde ein höherer Anteil Frankreichs an EADS das deutsch-französische Gleichgewicht in dem Unternehmen gefährden. Offiziell wollte sich weder die Bundesregierung noch EADS äußern.

Ein weiterer Streitpunkt ist offenbar das Sanierungsprogramm, das mit tausenden Entlassungen und Werksschließungen die jährlichen Kosten um zwei Mrd. Euro drücken soll. Paris sei nicht bereit, derart massive Umstrukturierungen mitzutragen, heißt es. EADS-Chef Louis Gallois und sein deutscher Gegenpart Tom Enders hatten die Umsetzung von „Power 8“ jedoch zur Voraussetzung für den Bau der A350 gemacht.

Die neuen Streitigkeiten über das Projekt A350 und die Machtverhältnisse im Konzern kommen zur Unzeit. Denn die Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und Daimler-Chrysler um die Übernahme einer EADS-Beteiligung des Stuttgarter Autokonzerns stehen unmittelbar vor dem Abschluss. In wenigen Tagen wollen die von der Regierung beauftragten Finanzinstitute Commerzbank, Deutsche Bank, Goldman Sachs und KfW-Bankengruppe ein Modell ausgearbeitet haben, das eine indirekte Beteiligung von verschiedenen Investoren an den EADS-Anteilen von Daimler-Chrysler ermöglichen soll. „Es geht nur noch um Kleinigkeiten“, sagte ein Bankenmanager dem Handelsblatt. Auch nach Informationen der Bundesregierung müssten nur noch einzelne Modalitäten geregelt werden.

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