Verzicht auf Staatshilfe
Fords Spiel auf Zeit könnte sich rächen

Die Nachfolger der Autolegende Henry Ford machen vieles richtig - oder zumindest weniger falsch als die Manager der Ford-Konkurrenten General Motors (GM) und Chrysler. Ob der angezählte Konzern aus Dearborn vor den Toren der Autostadt Detroit allerdings aus eigener Kraft über die Runden kommt, bezweifeln viele in der Branche.

NEW YORK/HAMBURG. Die Kritik am Kurs von Konzernchef Alan Mulally, bei der Restrukturierung von Ford kategorisch auf Staatshilfen zu verzichten, wächst.

Europa-Chef John Fleming zeigt sich dagegen zuversichtlich, dass die Rechnung aufgeht. "Das ist der richtige Ansatz", sagte er dem Handelsblatt. "Wir brauchen aber gleiche Bedingungen, auch in Europa. Staatliche Hilfe darf niemanden bevorzugen." Deutschland-Chef Bernhard Mattes lehnt Staatsgelder ebenfalls ab: "Ford kann seinen Entwicklungsplan mit eigenen liquiden Mittel umsetzen", sagte er.

Die bislang fast 20 Mrd. Dollar an Hilfen der US-Regierung für GM und Chrysler verzerren jedoch zwangsläufig den Wettbewerb. Kann Ford die Blutung nicht stoppen, könnte sich der Verzicht rächen, wenn Präsident Barack Obama den Geldhahn zudrehen sollte. "Im Vergleich zu GM geht es Ford wesentlich besser. Aber das Unternehmen muss aufpassen, nicht mit leeren Händen da zu stehen", warnt Branchenkenner Stefan Bratzel, Autoprofessor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Ford fuhr 2008 bei einem Umsatz von 146 Mrd. Dollar einen Verlust von 15 Mrd. Dollar ein. GM kam auf 150 Mrd. Dollar Umsatz und ein Minus von 31 Mrd. Dollar. "Langfristig mag Ford der Verzicht auf Staatshilfe helfen, aber in der akuten Krise ist ein solcher Imagevorteil kein entscheidender Faktor", sagt Bratzel.

Dabei möchte Ex-Luftfahrtmanager Mulally, der als Sanierer von Boeing zu Ford kam und dem Konzern im Jahr 2008 stolze 13,6 Mio. Dollar wert war, als lachender Dritter aus dem Endkampf der ehemals "Big Three" genannten US-Autobauer hervorgehen. Fiele Chrysler als Schwächster im Bunde weg, könnte die Rechnung dank der Marktbereinigung aufgehen. Das Insolvenzrisiko für GM und Chrysler ist hoch. Mulallys Strategie setzt auf den Stolz der US-Kunden: Ford nimmt kein Staatsgeld, baut wie Anfang der Woche verkündet sogar seine Schulden um mehr als ein Drittel auf rund 16 Mrd. Dollar ab.

Doch das ist nur die Schaufensterseite des weltweit viertgrößten Autokonzerns, intern macht der Boss das, was er am besten kann: sanieren. "Mulally geht härter heran als der abgetretene GM-Chef Rick Wagoner es jemals getan hat", sagt Bratzel. Der Ford-Chef hat Vermögenswerte rechtzeitig versilbert oder verpfändet, wie im Fall des Pflaume genannten Ford-Signets, und sich durch Kreditlinien Spielraum gesichert - als noch Geld zu bekommen war. Im Gegensatz zum glücklosen Wagoner erzielte Mulally einen Abschluss mit der Gewerkschaft UAW und spart durch Zahlungen zur Krankenversicherung in Aktienform bares Geld.

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