Verzicht
Rindfleischkonzerne wollen Regenwald schonen

Es braucht auch solche unscheinbaren, kleinen Schritte, um etwas für das Klima zu tun: Die großen brasilianischen Rindfleischkonzerne haben ein Moratorium zum Schutz der Regenwaldes im Amazonas unterzeichnet. So dürfte die Rodung von zig Tausenden Bäumen verhindert werden.

HB PAULO. Die vier größten Unternehmen wollen danach künftig auf Fleisch von Zuliefer-Farmen verzichten, die für die Viehhaltung abgeholzte Urwaldflächen nutzen. Das Abkommen wurde am Montag in São Paulo von den Firmen JBS-Friboi, Bertin, Marfrig und Minerva und der Umweltschutzorganisation Greenpeace unterzeichnet, wie brasilianische Medien am Dienstag übereinstimmend berichteten.

Greenpeace wertete den Schritt als großen Erfolg. Die Rinderzucht gelte als größter Urwaldvernichter im Amazonasgebiet. Etwa 80 Prozent der abgeholzten Waldflächen würden als Weideland genutzt, heißt es in einer Mitteilung der Organisation. Nach Angaben des brasilianischen Umweltinstitutes Imazon gehen rund 44 Prozent der schädlichen Treibhausgase in Brasilien auf das Konto der Viehhaltung. Die Imazon- Rechnung: 55 Prozent der Emissionen in Brasilien würden durch Waldvernichtung verursacht und die sei eben zu 80 Prozent auf die Viehzucht zurückzuführen.

Allein im Amazonas-Bundesstaat Mato Grosso gibt es den Angaben zufolge rund 26 Mio. Rinder, von denen etwa zehn Mio. auf illegal abgeholzten Regenwaldflächen gehalten würden. Zur Kontrolle der Viehhaltung sollen die Flächen im Amazonas per Satellit beobachtet werden. Auch Greenpeace solle bei der Kontrolle helfen. Allerdings sind nach Angaben der Zeitung "Estado de São Paulo" (Dienstag) keine Strafen vorgesehen, wenn die Konzerne die Auflagen nicht einhalten.

Nach derzeitiger Rechtslage dürfen die Farmer 20 Prozent ihrer Flächen im Amazonas legal abholzen. Der Agrarunternehmer und Gouverneur von Mato Grosso, Blairo Maggi, sagte, Brasilien werde bei der UN-Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen Entschädigungsregelungen für solche Unternehmen vorschlagen, die diese 20 Prozent nicht zur landwirtschaftlichen Produktion nutzen. Dies sei auf einem Treffen mit Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kürzlich vereinbart worden.

Das Amazonas-Becken macht etwa fünf Prozent der Erdoberfläche aus und erstreckt sich über mehrere Staaten Südamerikas. Der größte Teil liegt in Brasilien. Die Waldvernichtung rund um den Globus wird für etwa ein Fünftel der Emission von Treibhausgasen verantwortlich gemacht. Greenpeace wies auf Zahlen des statistischen Bundesamtes in Brasilien (IGBE) hin, wonach zwischen 1996 und 2006 die Weideflächen im Amazonas-Gebiet um etwa zehn Mio. Hektar wuchsen, was in etwa der Fläche von Island entspreche.

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