Verzögerte Großprojekte
Wo Bürokratie die Wirtschaft blockiert

Flughafen Frankfurt, Kraftwerk Datteln, CO2-Speicherung: Drei Beispiele dafür, wie milliardenschwere Projekte der Wirtschaft blockiert werden. Natürlich nicht ohne Grund.
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Flughafen Frankfurt: Der endlose Streit über die Nachtruhe

FRANKFURT. Dass große Projekte ihre Zeit benötigen, ist bekannt. Dass sie so lange dauern können, wie der Bau der vierten Start- und Landebahn am Frankfurter Flughafen, nicht. Der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber, heute Aufsichtsratschef, brachte vor mehr als zehn Jahren erstmals eine vierte Bahn für den größten Flughafen Deutschlands ins Gespräch.

Bis heute starten und landen dort keine Flieger. Über Jahre dauerte das Mediationsverfahren, mit dem die Bevölkerung eingebunden werden sollte. Die negativen Erfahrungen mit den heftigen Protesten beim Bau der Startbahn West Jahre zuvor wollte man kein zweites Mal machen. Doch die Suche nach dem Kompromiss kosteste Zeit, viel Zeit. Immerhin wird mittlerweile gebaggert. Ende 2011 soll die neue Bahn in Betrieb genommen werden. In welchem Umfang sie am Ende genutzt werden kann, darüber gibt es aber nach wie vor keine Rechtssicherheit.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte zwar erklärt, die Nordwest-Bahn und auch der Bau eines dritten Terminals lägen im "öffentlichen Interesse". Doch die Kapazitätserweiterung von 500 000 Flugbewegungen pro Jahr auf 700 000 sei eine erhebliche Lärmbelästigung, Spielraum für Nachtflüge zwischen 23 und 5 Uhr nicht gegeben.

Ein Debakel. Ein solches Nachtflugverbot wäre strenger als das bestehende. Gerade Fracht wird vor allem nachts geflogen, in Frankfurt stehen riesige Logistikcenter. Vorschläge, die Fracht an den Flughafen Hahn zu verlagern, halten Experten für abwegig. Es sei volkwirtschaftliche Mittelverschwendung, eine solche Infrastruktur ein zweites Mal aufzubauen. Auch Ferienflieger wie die von Condor brauchen Fluggenehmigungen für die Nacht.

Für den Betreiber Fraport ist der Ausbau elementar. Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der Passagiere von zuletzt 50 Millionen im Jahr auf 88 Millionen im Jahr 2020 ansteigen wird. 40 000 neue Jobs verspricht man sich von der Erweiterung. Das Land Hessen hat deshalb Rechtsmittel gegen den Spruch des VGH eingereicht. Wann entschieden wird, keiner weiß es so genau.

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