Verzögerungen beim A380
Airbus bringt Zulieferer in Not

Die Krise bei Airbus macht den Zulieferbetrieben des Großraumflugzeugs A380 schwer zu schaffen. Weil die EADS-Tochter die Auslieferung des Typs um fast zwei Jahre verschoben hat, bleiben viele Unternehmen vorerst auf ihren Waren sitzen. Der Triebwerkhersteller Rolls-Royce ist das prominenteste Beispiel. Schlimmer als den Briten ergeht es einer deutschen Firma.

LONDON/HAMBURG. Rolls Royce kündigte am Freitag an, die Arbeit am A380-Antrieb „Trent 900“ für ein Jahr auszusetzen. Ein Sprecher des britischen Herstellers sagte, Rolls-Royce führe mit Airbus Gespräche darüber, wann und mit welchen Spezifikationen die Triebwerke gebraucht würden. Wenn die Einzelheiten geklärt seien, werde die Belegschaft über mögliche Folgen informiert. Das Unternehmen plane aber derzeit keine Entlassungen und sehe auch keinen Anlass, seine finanziellen Prognosen für das laufende Jahr zu ändern.

Rolls-Royce hat etwa die Hälfte der Triebwerksauftrages von A380-Kunden gewonnen, die andere Hälfte ging an die Engine Alliance aus den US-Herstellern GE Aviation und Pratt & Whitney, einer Tochter von United Technologies. Ihr Modell heißt GP 7200. Alle Hersteller haben bereits umfangreiche Tests mit ihren für den Großraumjet entwickelten Triebwerksmodellen unternommen und sich auf eine baldige Auslieferung vorbereitet. Die Lieferung von Triebwerken für den A380 sind für beide Anbieter Milliardenprojekte.

Auch kleinere Lieferanten leiden unter den Problemen bei Airbus. So äußerte sich der Chef der britischen Rüstungstechnologiefirma Smiths Group, Keith Butler-Wheelhouse, in der „Birmingham Post“ sehr enttäuscht über die Verzögerungen. Kurzfristig seien die Folgen für Smiths aber nur gering. Allerdings hat Smiths auch mit der Entwicklung eines zentralen Kontrollsystems für das Boeing-Modell 787 „Dreamliner“ Probleme. Die Entwicklungskosten seien erheblich höher als erwartet und Smiths arbeite derzeit daran, sich für die Kostensteigerungen bei Boeing entschädigen zu lassen. Es gebe aber keinen Hinweis darauf, dass auch dieses Projekt sich verzögere.

Auch deutsche Unternehmen leiden

Die Lieferverzögerungen beim A380 treffen auch die inländischen Zulieferer. So plant der Kabinenausstatter Inkutec, für einige seiner 20 Mitarbeiter Kurzarbeit anzumelden. „Wir müssen wahrscheinlich am Montag zum Arbeitsamt, um Kurzarbeit anzumelden“, sagte Inkutec-Geschäftsführer Klaus-Dieter Glinicki. Inkutec ist Sublieferant einer süddeutschen Firma, die für den A380 Küchenteile liefert. Derzeit erzielt Inkutec rund 70 Prozent seines Umsatzes mit dem A380.

Auch der Hamburger PMG Aerospace Industry AG bereiten die Lieferverzögerungen Probleme. „Wir verschieben eventuell geplante Investitionen um einige Monate nach hinten“, sagt Thomas Budniok, Vorstandschef von PMG. Stellenstreichungen und Kurzarbeit seien aber nicht geplant. PMG beschäftigt rund 250 Mitarbeiter, von denen 40 für den A380 arbeiten. Das Unternehmen fertigt unter anderem Verschlusssysteme für die Gepäckablagen des neuen Großraumflugzeugs.

Uwe Gröning, geschäftsführender Vorstand des Verbandes Hanse Aerospace und Chef der Innovint Aircraft, bleibt hingegen gelassen. Er geht davon aus, dass die meisten deutschen Zulieferer die Produktionsausfälle beim A380 mit der Fertigung für andere Flugzeugtypen und andere Airlines wettmachen. „Viele Firmen können die fehlende Produktion umschichten“, sagt Gröning. Die Hanse Aerospace ist ein Verbund von 135 norddeutschen Zulieferfirmen für die Flugzeugindustrie. Davon arbeiten 30 Unternehmen direkt für den A380.

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