Viele deutsche Firmen wollen ihre Reisekosten deutlich senken: Im Umkreis von Köln Bonn fliegen Unternehmen immer öfter billig

Viele deutsche Firmen wollen ihre Reisekosten deutlich senken
Im Umkreis von Köln Bonn fliegen Unternehmen immer öfter billig

Die Lage ist alles andere als entsprannt im innerdeutschen Flugverkehr. Die Firmen sparen, was das Zeug hält – die Business-Class bleibt immer öfter leer. Es gebe schon seit September 2001 verstärkt Anweisungen aus Unternehmen, bei Flügen nur noch die Economy Class oder in der Bahn die 2. Klasse zu nutzen, bestätigt Ilona de March, Geschäftsführerin beim größten deutschen Geschäftsreiseanbieter TQ3.

bef/ebe/hps/slo/zel DÜSSELDORF. Dass in diesem Umfeld die Billigflieger haussieren, verwundert nicht. Die irische Ryanair teilte erst am Dienstag wieder einen Anstieg des Nettogewinns in ihrem dritten Quartal mit: Er kletterte um 50 % auf 43,2 Mill. Euro. Einen direkten Einfluss zwischen dem Hurra der Aldi-Flieger und dem neuen Tief der etablierten Linien sieht die Lufthansa indes nicht: Sie verweist auf zwei völlig verschiedene Geschäftsmodelle und auf die bisher kaum vorhandenen Kapazitäten der Billigflieger im deutschen Metropolenverkehr. „Wir spüren eine Unsicherheit bei Verbrauchern und ganz massiv die Konjunkturschwäche“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Man könne aber nicht erkennen, dass die Billigflieger der Lufthansa Passagiere wegnehmen.

Vor allem im deutschen Businessflugverkehr dominiert die Lufthansa noch eindeutig, weil sie über das mit Abstand dichteste Flugnetz verfügt und als einzige Airline auch entsprechend hohe Tagesfrequenzen anbietet. Dennoch sehen Luftfahrt-Analysten einen Trend bei Unternehmen, verstärkt auf Billigflüge zu achten: „Dort, wo Low-Cost-Flüge angeboten werden, steuern die Firmen um“, sagt Dieter Schneiderbauer, Verkehrsexperte der Unternehmensberatung Mercer Consulting. Am Standort Köln/Bonn etwa, wo mit Germanwings und Hapag Lloyd-Express gleich zwei neue Billigfluglinien ihre Basis haben, sind die Schnäppchenangebote auch für Unternehmen interessant. Die Kölner Europa-Zentrale des US-Autokonzerns Ford bucht eigenen Angaben zufolge bereits 30 % ihrer Flüge bei Billiglinien. Zwar liegen die Preise für flexible und umbuchbare Tickets über den plakativen Angeboten, mit denen die Billiganbieter bei Privatreisenden werben. „Der Unterschied zum Preis eines normalen Linienflugs ist aber immer noch beträchtlich“, sagt Sascha Klüwer, der bei Henkel den Einkauf Services leitet. Nach Angaben aus Branchenkreisen bietet Germanwings innerdeutsche Verbindungen für einen Firmen-Festpreis von 95 Euro an. Geschäftsflüge in Europa-Metropolen wie Madrid oder Rom kosten den Informationen zufolge maximal 200 Euro.

Neben Ford und Henkel loten auch Firmen wie Bayer, RTL oder die Deutsche Telekom derzeit günstigere Konditionen aus. „Wir wollen die Kosten für Flüge deutlich senken“, sagte ein RTL-Sprecher. Die Chancen dafür stehen günstig. Außer der irischen Ryanair, die für Geschäftsreisende wegen ihrer abgelegenen Flughäfen allerdings kaum in Frage kommt, bieten mit der Deutschen BA, Air Berlin, Germania, Germanwings und Hapag Lloyd-Express fünf weitere Gesellschaften Billigflüge in Deutschland an – Tendenz steigend.

Mit Europas Marktführer Easyjet könnte ein hartnäckiger Konkurrent bald hinzukommen. Die Briten ziehen auch Businessflieger an, weil sie im Gegensatz zu Ryanair verstärkt Metropolen anfliegen. „Wenn Easyjet im Sommer seine Kaufoption einlöst und die Deutsche BA übernimmt, könnte ein Damm brechen. Dann wird ein europaweites Billigflugangebot interessant für Unternehmen“, sagt Mercer-Berater Schneiderbauer. Easyjet will bald entscheiden, ob Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft bis August 2003 in einer Easyjet Germany aufgeht.

Quelle: Handelsblatt

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