Viele fliegen in der Grauzone des Staatsschutzes
Fluglinien zwischen Staat und Markt

Auch wenn der Markt der europäischen Fluggesellschaften mittlerweile liberalisiert ist, fliegen viele europäische Fluggesellschaften noch immer in einer Grauzone zwischen Markt und Staat. Bei einer Krise vertrauen die meisten Airlines weiter auf die Hilfe der öffentlichen Hand.

DÜSSELDORF. Ein Schlaglicht auf das Spannungsfeld zwischen den Gesetzen des freien Marktes und staatlicher Protektion wirft die Auseinandersetzung zwischen Management und Gewerkschaften in der Alitalia, Italiens nationaler Fluglinie. Die Unternehmensführung droht den Gewerkschaften mit der Liquidierung des Unternehmens, wenn sie nicht dem Sanierungsplan zustimmen. Und die Regierung macht davon die Garantie für einen Überbrückungskredit abhängig. Andernfalls fliegt Alitalia in die Pleite.

„Trotz freier Luftverkehrsmärkte in der EU mögen sich Staaten nicht von ihren Airlines trennen“, beschreibt Eric Heymann, Luftfahrt- Analyst bei der Deutschen Bank, die Situation. „Das legt zumindest die Vermutung nahe“, formuliert er vorsichtig, „dass die Regierungen, wenn es schwierig wird, helfend einspringen“. So lebt Alitalia seit Jahren von Subventionen und verbrennt täglich 1,2 Mill. Euro.

Unter Europas traditionellen Linien-Fluggesellschaften sind lediglich die Deutsche Lufthansa, British Airways und KLM zu hundert Prozent privatisiert. Der Luftfahrtkonzern SAS, Marktführer in Nordeuropa, gehört zur Hälfte den drei skandinavischen Staaten. Die nationalen Fluglinien Osteuropas werden vom Staat dominiert. An der Mehrzahl der 31 Mitgliedsfirmen des Verbands der Europäischen Fluggesellschaften (AEA) ist der Staat beteiligt. „Obwohl die Privatisierung schon gut vorangekommen ist, dürfte de facto der Einfluss der Regierungen in der Not groß sein“, sagt Ulrich Horstmann, Luftfahrtexperte bei der Bayerischen Landesbank.

Zudem erschweren nationale Eigentumsklauseln, teils mit nationalen Verkehrsrechten verquickt, transnationale Fusionen. „Die europäische Luftfahrtindustrie fordert fairen Wettbewerb“, sagt Ulrich Schulte-Strathaus, Generalsekretär der AEA. Insider der Branche führen Alitalia als abschreckendes Beispiel von Interventionen seitens der Politik an. Dass es auch anders geht, beweist Singapore Airlines (SIA), die zu 51 Prozent dem Staat gehört. Sie profiliert sich immer wieder als eine der profitabelsten Fluggesellschaften der Welt.

Dennoch gelten nationale Fluggesellschaften als Auslaufmodell. „Das Modell der nationalen Flaggschiff- Airline ist überholt“, sagte jüngst Giovanni Bisignani, Generaldirektor und CEO der International Air Transportation Association (Iata), dem Interessenverband von 271 Fluglinien aus 140 Ländern dem Handelsblatt.

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