Viele Konzerne in der Verlustzone
Ätzende Aussichten für die Chemie

Nach einem drastischen Gewinneinbruch im vierten Quartal muss sich die europäische Chemiebranche auf weitere schwierige Monate einstellen. Die inzwischen vorliegenden Quartalsdaten und Prognosen führender Firmen vermitteln kaum Signale für eine Trendwende. Im ersten Halbjahr dürften bei vielen Unternehmen vielmehr abermals tiefrote Zahlen das Bild bestimmen.

FRANKFURT. Als letzter der führenden europäischen Chemiekonzerne bestätigte am Dienstag der Essener Mischkonzern Evonik, der nach BASF und Bayer drittgrößte Chemiehersteller in Deutschland, die schwierige Situation. Bei der Chemiekonjunktur sei kein Silberstreif am Horizont erkennbar, sagte Evonik-Chef Klaus Engel.

Zwar erwarten die meisten Branchenbeobachter für die nächsten Monate keine weiteren Rückgänge mehr gegenüber dem schwachen Geschäft zum Jahresauftakt. Eine echte Erholung sehen sie aber frühestens im vierten Quartal, zum Teil erst 2010.

Wie heftig der Umbruch ausgefallen ist, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der operativen Erträge im Jahresverlauf 2008. Bis Oktober war die Chemiewelt noch halbwegs in Ordnung. Zum Ende des dritten Quartals 2008 lagen die operativen Erträge der führenden Unternehmen im Schnitt weniger als zehn Prozent unter Vorjahresniveau. Ab November folgte dann ein jäher Absturz von Absatz und Erträgen. Allein Branchenführer BASF verbuchte in seinen Chemiesparten (ohne Öl und Gas) im Schlussquartal 2009 einen Gewinnrückgang um rund 1,5 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr und schrieb im Chemiegeschäft damit - ebenso wie ein Großteil seiner Konkurrenten - tiefrote Zahlen.

Zwar wird der Gewinneinbruch teilweise durch Restrukturierungskosten und Abschreibungen auf Vorräte und Firmenwerte überzeichnet. Doch sind auch die regulären Erträge der Branche massiv unter Druck geraten. Grund ist vor allem der beispiellose Rückgang der Nachfrage. Die Ratingagentur Standard & Poor?s schätzt, dass Chemiefirmen im vierten Quartal im Schnitt etwa 18 Prozent weniger Menge verkauften.

Im Gesamtjahr sind die operativen Gewinne im Schnitt um rund ein Drittel niedriger ausgefallen als im Vorjahr, zeigen Berechnungen des Handelsblatts. Lediglich Firmen, die stark auf den Agrar-, Lebensmittel- oder Gesundheitssektor ausgerichtet sind, konnten sich entziehen, darunter etwa Syngenta, DSM oder Symrise.

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