Viele Probleme der Branche sind aber hausgemacht
Spezialchemie hadert mit der Konjunktur

Anders als die Hersteller von Basis-Chemikalien spüren die Spezialchemiekonzerne von einem Konjunkturaufschwung noch wenig. Der Absatz und damit die Auslastung der Anlagen stiegen nur zaghaft, und Preiserhöhungen gelängen seltener, als dies in der Großchemie der Fall ist, berichten Branchenkreise. Damit verliert der Industriezweig weiter an Attraktivität, und die Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern werden größer.

DÜSSELDORF. So enttäuscht die Ciba Spezialitätenchemie AG seit einigen Quartalen, weil sie in den Augen vieler Aktionäre langjährige Wachstumsversprechen nicht einlöst. Zudem stehen einige Ciba-Produkte so unter Preisdruck, dass Vorstandschef Armin Meyer die Restrukturierung der Feinchemie- und Textilfarbensparte angeordnet hat.

Ein Trendindikator ist der Margenschwund bei Industriechemikalien, die partieweise oder gar nach Kundenspezifikationen produziert werden. „Da sind die Bruttomargen in den letzten drei Jahren um fünf Prozent gesunken“, sagt Oppenheim-Chemieanalyst Roland Leutenegger. „Das ist durch Kostenkappen nicht mehr ergebnisneutral zu halten.“ Stark belastet sei Europas Spezialchemie, die rohstoffseitig unter dem teuren Öl und im Verkauf unter der Dollarschwäche leiden.

Der Margenverfall hat seinen Grund. „Nicht überall wo Spezialchemie draufsteht ist auch Spezialchemie drin“, sagt der Chemieexperte von Boston Consulting Udo Jung. Die Märkte würden reifer, Spezialitäten zu Massenware. Wer an ihnen weiter Geld verdienen wolle, müsse mit der Spezialitäten-Logik brechen und Kostenführer werden.

Doch wird der Zeitpunkt dafür wohl oft verpasst. Es gibt jedoch Ausnahmen von dem Trend. Eine davon ist Hollands DSM NV, die erst 2002 ihre Petrochemie verkaufte und dann für 1,7 Mrd. Euro die Vitaminsparte der Roche AG erwarb. „Im dritten Quartal haben wir die Belebung in praktisch allen Geschäften gespürt“, sagt Finanzchef Henk van Dalen. Dazu hebt DSM bei seinem Zukauf Quartal für Quartal mehr Synergien im erweiterten Geschäft mit Lebensmittelzusätzen, als Analysten erwartet hatten.

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