Viele Risiken
Düstere Aussichten für RWE

RWE hat im ersten Quartal dieses Jahres die Prognosen der Analysten zwar deutlich übertroffen. Für die Zukunft muss der Energiekonzern aber mit hohen Risiken durch die verschärften politischen Rahmenbedingungen kalkulieren: Allein durch den Emissionshandel drohen milliardenschwere Belastungen.

DÜSSELDORF. Die anhaltenden Spekulationen um eine Übernahme des Unternehmens sieht die RWE-Führung dagegen gelassen. „Die energiepolitische Lage und Stimmung erfüllt uns mit Sorge“, sagte Finanzvorstand Rolf Pohlig gestern bei der Präsentation des Zwischenberichts. Konkret äußerte er sich zum Emissionshandel. Das Bundeskabinett hatte jüngst neue Zuteilungsregeln für die zweite Handelsperiode beschlossen, die im kommenden Jahr beginnt. Die Energieversorger müssen anders als in der laufenden Periode die Zertifikate, die zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids berechtigen, schon zu Beginn im großen Stil kaufen. Davon ist RWE besonders hart betroffen, da der Konzern rund 60 Prozent seines Stromes mit Stein- und Braunkohle erzeugt und in Europa der größte Emittent von Kohlendioxid ist.

Nach Pohligs Worten wird RWE ab dem kommenden Jahr 35 bis 40 Prozent der für die Produktion notwendigen Kohlendioxid-Zertifikate zukaufen müssen. Dies entspreche einem Kohlendioxidausstoß von 50 bis 60 Millionen Tonnen. Am Terminmarkt der Leipziger Strombörse EEX wird ein Zertifikat, das in der zweiten Handelsperiode für eine Million Tonnen Kohlendioxid benötigt wird, zur Zeit mit knapp 20 Euro gehandelt. RWE muss sich also auf jährliche Kosten von über einer Mrd. Euro einstellen. Zum Vergleich: Für dieses Jahr kalkuliert der Konzern noch mit „deutlich über 100 Mill. Euro“.

Klaus Rauscher, Vorstandschef des Konkurrenten Vattenfall Europe, hatte sich vor einer Woche ähnlich geäußert. Er rechnet mit 500 bis 700 Mill. Euro Zusatzkosten.

Inwiefern die Kosten auf das Ergebnis durchschlagen werden, lässt sich schlecht abschätzen. Bislang können die Versorger diese weitgehend auf ihre Kunden überwälzen. Das Kartellamt geht aber zur Zeit gegen diese Praxis vor und hat RWE abgemahnt, wogegen der Konzern Beschwerde eingelegt hat.

Hinzu kommen eine Reihe von weiteren Risiken. Die Bundesregierung wird das Kartellrecht verschärfen, um die Preise im Stromgroßhandel zu deckeln. Dies dürfte vor allem RWE, Deutschlands größten Stromproduzenten, treffen. Die Bundesnetzagentur hat die Entgelte, die der Konzern von Konkurrenten für die Nutzung der Netze verlangt, drastisch gekürzt. Allein in diesem Jahr rechnet RWE dadurch mit Umsatzeinbußen von 500 Mill. Euro. Die EU-Kommission hat in der vergangenen Woche ein Verfahren eingeleitet, weil RWE Konkurrenten den Zugang zum Gasnetz erschwert haben soll, und droht mit hohen Strafen.

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