Viele Zweiräder werden in Deutschland hergestellt
Fahrradbranche profitiert vom teuren Sprit

Keine schlechten Zeiten für die Fahrrad-Hersteller: Der Branche kommt die Diskussion um Ökologie und Klimaschutz zu Gute. Der Trend geht zum Zweitrad, und die Käufer lassen sich ihr Rad wieder etwas mehr kosten.

KÖLN. Dank stark steigender Spritpreise ist wieder Muskelkraft angesagt: Der Absatz der Fahrradbranche boomt. "Der Fahrradfachhandel koppelt sich von der allgemein schleppenden Einzelhandelskonjunktur ab", sagte Markus Lehrmann, Geschäftsführer des Verbands des Deutschen Zweiradhandels (VDZ) in Köln anlässlich der Fahrradmesse Ifma (18. bis 21. September). "Wir rechnen in diesem Jahr mit einem nominalen Umsatzplus von acht Prozent, nach einem Plus von nur einem Prozent im Vorjahr." Die Verbesserung führe bereits zu einem Abbau der Lagerbestände im Handel.

Die Branche profitiert vor allem von steigenden Kosten für Mobilität sowie die Diskussion um Ökologie und Klimaschutz. Der Trend geht zum Zweitrad: Sportgerät für die Freizeit und Verkehrsmittel Fahrrad für den Weg zur Arbeit. Die Sortimentsvielfalt vom Cruiser bis zur Rennmaschine ist Ausdruck dieser Entwicklung. Wachstumschancen ergeben sich laut Lehrmann vor allem aus dem Trend zu höherwertigen Zweirädern, wie den Rädern mit Elektrohilfsmotor (E-Bike), sowie zu höherwertigen Ausstattungen, wie Federungssystem und Fahrradcomputer.

Folge: Der Durchschnittspreis für ein Fahrrad ist von 343 Euro im Vorjahr auf nun 368 Euro gestiegen. Dass hauptsächlich teurere Modelle des Fachhandels gefragt seien, bestätigten Branchenvertreter bereits auf der vor wenigen Tagen beendeten Zweiradmesse Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee. Gut sei auch das Geschäft mit Zubehör und Teilen gelaufen.

Die Ertragslage des Zweiradhandels bleibe aber durchwachsen, sagte VDZ-Geschäftsführer Lehrmann. Der zunehmende Billig-Wettbewerb durch Discounter und auch durch den sich langsam entwickelnden Internet-Handel belasten den Fachhandel. Die Folge seien Preisabschläge und damit auch eine Belastung der Liquidität vieler Unternehmen.

Lehrmann rechnet wegen des Preisdrucks damit, dass der Umsatz des Fahrradeinzelhandels trotz der guten Absatzentwicklung bei 3,5 Mrd. Euro in diesem Jahr stagnieren wird. Die Umsätze verteilen sich jeweils zur Hälfte auf Fahrräder sowie Fahrradzubehör und Service. Während der Umsatzanteil des Fachhandels bei inzwischen 70 Prozent liegt, liegt sein Absatzanteil lediglich bei knapp 60 Prozent. Damit ist der Fachhandel aber nach wie vor der Vertriebskanal für die Fahrradindustrie, die sich auf höherwertige Markenprodukte konzentriert hat.

Bei den 40 bis 50 deutschen Fahrrad- und Zubehörherstellern sei der Aufschwung noch nicht angekommen, sagte indessen Rolf Lemberg, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV). Der Absatz verzeichne bis Mitte 2008 gegenüber dem Vorjahr nur einen geringen Zuwachs. Doch lasse der Abbau der Lagerbestände des Handels auf Besserung hoffen, sagte Lemberg.

Die Fahrradindustrie kommt mit 9 000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 1,7 Mrd. Euro. Der Absatz legte bis Ende Juni 2008 lediglich um ein Prozent auf 2,8 Mill. Fahrräder zu. Die stärkste Marktstellung hat nach wie vor das Trekking-Rad.

Lemberg kündigte für das Jahr 2009 Preiserhöhungen um mindestens fünf Prozent an. Denn wie anderen Branchen auch setzen den Radherstellern steigende Kosten bei Rohstoffen, bei der Energie als auch bei den Arbeitszeitkosten zu.

Getragen wird das Geschäft vom Export. Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren der Branche um fast 80 Prozent. Das entsprach gut einem Drittel der Produktion von 1,7 Mill. Zweirädern, ein Plus um 150 000 Stück gegenüber dem Vorjahr. Während 2007 die Niederlande noch das stärkste Exportland war, so sind im Jahr 2008 Österreich mit über 100 000 Stück und Belgien mit knapp 100 000 die führenden Exportnationen für deutsche Fahrräder. Auch Polen mit 75 000 Stück ist für die deutsche Industrie ein wichtiger Abnehmer geworden.

Der Import von Fahrrädern stieg um 8,3 Prozent auf 1,6 Millionen. Taiwan bleibt mit 267 000 Fahrrädern stärktes Import-Land, gefolgt von Thailand mit 220 000 und Polen mit knapp 200 000. Starke Zuwächse wiesen Indonesien, Kambodscha und China auf - viele Räder kamen zudem aus Rumänien und Tschechien.

Fahrradmessen

Eurobike contra Ifma

Die Kölner Ifma findet vom 18. bis 21. September 2008 zum letzten Mal statt. Die Zahl der Aussteller auf der einst führenden Messe ist um rund 130 auf 490 zurückgegangen. Köln-Messe-Chef Gerald Böse hat nun die Notbremse gezogen und das bisherige Konzept gestoppt. Neben der Ifma gibt es die Messe Eurobike in Friedrichshafen, die gerade erst zu Ende gegangen. Die beiden kurz aufeinander folgenden Termine waren der Branche übel aufgestoßen.

Neues Konzept

Ab 2010 veranstaltet die Köln Messe eine neue Zweiradmesse: Auf der "Intermot" werden im Zwei-Jahres-Rhythmus neben den Motorrädern auch Fahrräder präsentiert. "Wir hatten keine Alternative", sagte Oliver Kurth, Geschäftsführer der Köln Messe.

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