Vioxx-Rückruf rückt auch andere Coxibe ins Zwielicht
Neue Schmerzmittel in der Diskussion

Nach der Ankündigung des US-Konzerns Merck & Co., sein Schmerzmittel Vioxx wegen Gesundheitsrisiken vom Markt zu nehmen, sind die wirtschaftlichen Folgen für die Hersteller von Konkurrenzprodukten umstritten. Während der Wettbewerber Pfizer mit einem Vorteil für seine Produkte Celebrex und Bextra rechnet, erwartet mancher Experte, dass die gesamte Wirkstoffklasse unter Druck gerät.

HB FRANKFURT/M. Vioxx zählt zu den Coxiben, einer Wirkstoffklasse, die erst seit Ende der 90er Jahre auf dem Markt ist. Weil sie magenschonender sind als herkömmliche Schmerzmittel, wurden vor allem in den USA als „Super-Aspirine“ gefeiert. Besonders geeignet sind sie zur Behandlung von Rheuma, weil sie außer der schmerzstillenden auch noch einen entzündungshemmenden Effekt haben. Herkömmliche Rheumamittel können dagegen schweres Magenbluten und -geschwüre verursachen.

Die Coxib-Umsätze schnellten rasch in die Höhe. Merck & Co. setzte im vergangenen Jahr 2,5 Mrd. Dollar mit Vioxx um und erhielt zuletzt die EU-Zulassung für das Nachfolgepräparat Arcoxia. Pfizer verbuchte mit zwei Konkurrenzpräparaten 3,2 Mrd. Dollar. Auch andere drängen auf den lukrativen Markt: Die Ulmer Arzneifirma Merckle arbeitet an einem eigenen Wirkstoff und der Schweizer Novartis-Konzern hat gerade die Erlaubnis erhalten, sein Medikament Prexige in Europa zu vermarkten.

Einige Ärzte hegen schon seit einer Weile den Verdacht, dass Vioxx auf Dauer das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigert. Nachdem sich diese Befürchtung in einer klinischen Studie bestätigte ist nun die große Frage, ob auch andere Coxibe dieses Risiko bergen. „Das können nur Langzeitstudien mit den anderen Wirkstoffen dieser Klasse klären“, sagt Rainer Böger, der als Professor für klinische Pharmakologie am Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) tätig ist.

Sein Kollege Kay Brune von der Universität Erlangen ist der Meinung, dass die gesamte Wirkstoffklasse mit dieser Gefahr verknüpft ist. In der Süddeutschen Zeitung äußerte er den Verdacht, dass das Risiko mit der Wirksamkeit des Präparats steigt. Als Dauertherapie seien Coxibe daher nicht geeignet.

In der Industrie sieht man das freilich anders. Trotz der Entscheidung zum Marktrückzug deutet Merck & Co. das Vioxx-Desaster nicht als Problem der gesamten Wirkstoffklasse. Der Konzern hofft offenbar darauf, einen Teil der Vioxx-Patienten auf das in den USA allerdings noch nicht zugelassene Nachfolgepräparat Arcoxia einzustellen.

Auch der medizinische Direktor von Pfizer Deutschland, Friedemann Schwegler, sieht das erhöhte Herz- Kreislauf-Risiko als individuelles Problem von Vioxx. Anders als bei anderen Coxiben habe sich diese Gefahr bereits in kürzeren Studien abgezeichnet.

Pfizer verweist aber auch auf drei laufende Studien über mögliche neue Anwendungen für Celebrex, die über Zeiträume zwischen 24 und 48 Monaten angelegt sind. Während eine vergleichbare Langzeitstudie mit dem Merck-Präparat das für den Marktrückzug ausschlaggebende erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko offenbarte, gaben die Untersuchungen mit dem Pfizer-Präparat bislang nach Unternehmensangaben keine Hinweise auf ein derartiges Risiko.

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