Vize-Aufsichtsratschef
„Conti braucht Normalität “

Nach der Wahl von Technikvorstand Karl-Thomas Neumann zum Konzernchef muss der Dax-Konzern Continental nach den Worten des stellvertretenden Aufsichtsratschef Werner Bischoff wieder zur Ruhe kommen. Ein Finanzchef muss allerdings noch bestimmt werden – wann das geschehen soll, verrät das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft IG BCE im Interview.

Handelsblatt: Herr Bischoff, nach vorn geschaut: Was sind die nächsten wichtigen Schritte für Conti?

Bischoff: Die neue Vorstandspitze muss sich jetzt finden und die Aufgaben der Geschäftsverteilung müssen fein angeguckt werden. Wenn Neumann Vorstandschef ist, wird er sich mehr um die Darstellung nach außen kümmern müssen. Hippe wird sich stärker um das operative Geschäft kümmern. Ein neuer Finanzvorstand ist noch zu bestellen. Ich gehe davon aus, dass wir das Mitte September im Aufsichtsrat entscheiden.

Was hat jetzt Priorität?

Conti braucht Normalität im Geschäft. Wir müssen uns um die VDO-Integration kümmern. Da gibt es noch eine ganze Reihe von Problemen, die zu lösen sind. Auch das Reifengeschäft ist schwierig. All das ist in den letzten Wochen in den Hintergrund gerückt. Manager und Mitarbeiter müssen jetzt die Köpfe frei kriegen.

Ist die Vereinbarung mit Schaeffler eine solide Grundlage?

Die für uns wichtigen Punkte werden durch die Vereinbarung mit Schaeffler garantiert. In Zukunft wird nach wie vor die Geschäftspolitik von Conti gemacht. Aus meinen Gesprächen mit Schaeffler habe ich den Eindruck, dass wir keine Sorgen haben müssen, unter die Räder zu kommen.

Wie wird die Arbeit des Garanten aussehen, der die Vereinbarungen überwachen soll?

Altkanzler Gerhard Schröder als Garant ist eine moralische Instanz. Diese Institution ist neu. Deshalb kann ich sie auch nicht genau einschätzen. Aber Schröder bekommt wichtige Rechte und Einsicht in die Unterlagen. Eine solche Persönlichkeit zu akzeptieren verpflichtet die Unterzeichnenden in jedem Fall, nichts zu tun, was nicht vorher vereinbart worden ist.

Was hat den Ausschlag für Karl-Thomas Neumann als neuen Vorstandschef gegeben?

Das möchte ich im Einzelnen nicht kommentieren. Gewählt ist gewählt. Aber er ist ein exzellenter Techniker. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in der Autoindustrie ist das die Stärke, die den Aufsichtsrat veranlasst hat, ihn zu wählen.

Wird es gelingen, den unterlegenen Finanzvorstand Alan Hippe zu halten?

Hippe war natürlich enttäuscht. Der zweite Sieger ist immer etwas geknickt. In seinem Alter wäre der Vorstandsvorsitz ein schöner Erfolg für ihn gewesen. Das hat er leider nicht hingekriegt. Aber er ist ja noch jung. Aus strategischen Gründen war es eine Entscheidung für Neumann. Das hat nichts mit Hippes Qualifikation zu tun. Bei zwei so guten Leuten ist die Auswahl ein Problem. Die Entscheidung kam leider plötzlich und hat uns kaum Luft gelassen, das in Ruhe vorzubereiten. Alan Hippe zum stellvertretenden Vorsitzenden zu machen, signalisiert, dass wir zwei sehr starke Leute haben, die wir beide dringend brauchen.

Das Gespräch führte Mark C. Schneider.

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