VNG-Einstieg
Gazprom kurz vor dem Ziel

Der russische Gazprom-Konzern ist beim ostdeutschen Gasimporteur Verbundnetz Gas kurz vor dem Ziel: Eine außerordentliche Hauptversammlung beim ostdeutschen Gasunternehmen soll den Verkauf des GDF-Suez-Anteils an die Russen absegnen.
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DÜSSELDORF/BERLIN. Der Vorstand von Verbundnetz Gas (VNG) hat die VNG-Aktionäre gestern im elektronischen Bundesanzeiger für den 29. Januar zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen. Auf ihr soll über den Verkauf der vom französischen Konzern GDF Suez gehaltenen VNG-Anteile an Gazprom entschieden werden. In Unternehmenskreisen hieß es, beide Seiten hätten sich geeinigt, die Zustimmung der Hauptversammlung sei reine Formsache. Über den Kaufpreis wurde zunächst nichts bekannt.

Die Russen verhandeln seit Monaten mit den Franzosen über einen Kauf von deren fünfprozentigem Aktienpaket an VNG. In den vorigen Wochen hatte es geheißen, die Franzosen sollten im Gegenzug einen Anteil an der Ostseepipeline erhalten. Die deutsche Gazprom-Tochter lehnte gestern eine Stellungnahme ab. Das Betreiberkonsortium der Pipeline besteht derzeit aus Gazprom (51 Prozent), BASF/Wintershall (20 Prozent), Eon Ruhrgas (20 Prozent) und der niederländischen Gasunie (neun Prozent).

Für Gazprom hat der Kauf der VNG-Anteile hohe strategische Bedeutung. Es geht zwar nur um einen Ausbau des VNG-Anteils um gut fünf auf 10,52 Prozent. Doch Gazprom würde sich so mit dem Partner Wintershall (15,79 Prozent) eine Sperrminorität bei einem der größten Importeure des Landes sichern. Gemeinsam mit Wintershall kontrolliert Gazprom bereits Wingas, nach Eon Ruhrgas die Nummer zwei im deutschen Markt. Damit sichern sich die Russen neben ihrer Macht als Gaslieferant auch mehr und mehr den direkten Zugang zum Absatz an deutsche Kunden. Insgesamt hat russisches Gas in Deutschland bereits einen Marktanteil von 37 Prozent.

VNG importiert Gas aus Russland und Norwegen und verkauft es an Stadtwerke und Industriekunden. Das Unternehmen ist nicht nur Nummer drei in Deutschland, sondern auch in Europa unter den zehn größten Importeuren. Im Jahr 2008 setzte VNG 5,5 Mrd. Euro um.

Wenn Gazprom nun seinen VNG-Anteil erhöht, ist eine Stimmengemeinschaft mit Wintershall möglich. Operativ hatte das Gespann, das vom VNG-Management und der Arbeitnehmerseite unterstützt wird, ohnehin längst nach der Führung gegriffen. Wintershall-Chef Rainer Seele ist inzwischen Chef des Aufsichtsrats, und in knapp einem Jahr will der VNG-Chef Holst sein Amt an Wintershall-Manager Karsten Heuchert übergeben.

Gazprom hat damit auf vielen Wegen Zugang zu deutschen Kunden. Neben den Lieferverträgen mit Eon Ruhrgas steigt der Konzern zunehmend selbst in den Großhandel ein. Wichtigster Vertriebsarm ist Wingas. Mit VNG kooperieren die Russen etwa beim Bau von Speichern. Und schließlich vermarktet Gazprom mit der in Berlin ansässigen Tochtergesellschaft Gazprom Germania ihr Gas auch selbstständig in Deutschland.

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