Volkert und Gebauer auf der Anklagebank
Die Party ist vorbei

Die Partyzeit ist längst vorüber - seit Donnerstag sitzen der frühere VW-Betriebsratsboss Klaus Volkert und Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer auf der Anklagebank im Braunschweiger Landgericht. Die Stimmung zwischen ihnen ist eisig. Beide wirkten alles andere als entspannt.

HB BRAUNSCHWEIG. Anstiftung zur Untreue und gemeinschaftlich begangene Untreue lautet die Anklage im dritten Prozess des VW-Skandals um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten. Die beiden Angeklagten würdigen sich keines Blickes. Am ersten Verhandlungstag kommen sie zunächst nicht zu Wort. Erst muss das Gericht auf Antrag der Verteidiger einen bei VW beschäftigten Schöffen austauschen, anschließend liest Oberstaatsanwalt Ralf Tacke fast zwei Stunden die Anklage vor.

Zwischen Fotografen und Kameraleuten bahnen sich die beiden Angeklagten am Morgen den Weg ins Braunschweiger Landgericht. Angesichts des Blitzlicht-Gewitters scherzte der 64 Jahre alte Volkert: „Dabei geht es mir gut.“ Noch habe er seinen Humor nicht verloren. „Ich hoffe, das bleibt auch so“, sagt er und verschwindet in den Gerichtssaal. Ganz anders Gebauer - der 63-Jährige gibt erst einmal mehrere Interviews. „Früher wurde ich der Lüge bezichtigt“, sagt er. Doch nun habe sich herausgestellt, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Gebauer hatte die Aufgabe, Lustreisen und andere Vergnügungen auf Firmenkosten zu organisieren und die Rechnungen der Betriebsräte zu zahlen - eine Kontrolle gab es nicht.

400 000 Euro hat allein die damalige brasilianische Geliebte Volkerts für einen Scheinvertrag erhalten. Weitere 300 000 Euro sind laut Anklage für Reisen, Hotels, Schmuck und Einkäufe angefallen. Fast zwei Mill. Euro an Sonderzahlungen hat Volkert bekommen. So wurde es im ersten Prozess der VW-Affäre gegen den ehemaligen VW- Arbeitsdirektor Peter Hartz im Januar vom Gericht festgestellt. Er habe den einflussreichen Volkert „gekauft“, hatte Hartz gestanden.

Früher waren Gebauer und Volkert enge Weggefährten - heute haben sich die beiden nichts mehr zu sagen. „Im Augenblick kann man von keinem Verhältnis sprechen“, sagt Gebauer. „C'est la vie“ (So ist das Leben). Als der VW-Skandal vor zweieinhalb Jahren aufflog, hatte Gebauer nach seiner fristlosen Entlassung mehrere seiner früheren Kollegen bei der Staatsanwaltschaft schwer beschuldigt.

Seite 1:

Die Party ist vorbei

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%