Volkmar Denner
Im Krisen-Kampf lässt sich der neue Bosch-Chef von Apple inspirieren

Empfindlich getroffen von der Schuldenkrise, bekommt der Bosch-Konzern einen neuen Chef. Volkmar Denner will das Rad herumreißen. Mit „begeisternden Produkten“ und großem Respekt für die wertvollste Firma der Welt.
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StuttgartDie Schuldenkrise der Euro-Staaten reißt dem weltgrößten Autozulieferer und Haushaltsgerätehersteller Bosch wegen flauer Nachfrage der Verbraucher Löcher in die Kassen. „Die Euro-Krise schlägt sich bereits im Geschäft nieder“, sagte der designierte Bosch-Chef Volkmar Denner, der am Sonntag als siebter Vorsitzender der Geschäftsführung die Leitung des 126 Jahre alten Stuttgarter Konzerns übernimmt.

In Europa stagnierten die Geschäfte mit Ausnahme Deutschlands „mehr oder weniger“, vor allem bei konsumnahen Erzeugnissen fehlten die Kaufimpulse.

Hinter die noch im Frühjahr ausgegebene Umsatzprognose setzt Bosch damit ein Fragezeichen. „Wir gingen bisher von einem Wachstum von drei bis fünf Prozent für 2012 aus, sehen aber durchaus in den letzten Wochen zunehmende Wachstumsrisiken“, teilte der stark vom Export abhängige Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt 51,5 Milliarden Euro mit.

Der 55-jährige promovierte Physiker Denner kam 1986 ins Unternehmen und folgt dem seit 2003 an der Spitze stehenden Franz Fehrenbach nach. Fehrenbach, der am Sonntag 63 Jahre alt wird, wechselt auf den Chefposten des Aufsichtsrats und wird sich künftig vor allem um die politische und gesellschaftlichen Kontakte kümmern.

Denner übernimmt den weltgrößten Autozulieferer in turbulenten Zeiten: „Insgesamt wird 2012 kein einfaches Jahr“, hatte der scheidende Konzernchef Fehrenbach seinem Nachfolger bereits Ende April mit auf den Weg gegeben. In Europa drohe ein Stagnation, die Maschinenbaukonjunktur schwäche sich ab und die Rohstoffpreise blieben hoch. Denner will die vor Bosch liegende holprige und kurvenreiche Wegstrecke mit „Kontinuität“ sowie einem „authentischen und offenen“ Führungsstil meistern.

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Denner sieht sich als Motivator, nicht als Diplomat

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Zukunft in Telemedizin und Sicherheitstechnik

Kommentare zu " Volkmar Denner: Im Krisen-Kampf lässt sich der neue Bosch-Chef von Apple inspirieren"

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  • Ich sehe die Probleme bei Bosch an anderer Stelle.

    Die Gesamtstrategie des Konzerns ist höchst zweifelhaft.

    Was bitte schön ist aus der unter Fehrenbach angekündigten Diversifizierung ("30 Unternehmen zugekauft")bzw. Restrukturierung von Bereichen geworden?

    Telemedizin - lachhaft.

    Solar - ein Geldvernichter ersten Ranges und ohen Perspektive.

    Bremse - dumm gelaufen. Erst in down under zugekauft, dann wieder grosse Teile verkauft. Andersherum: auch nicht hinbekommen.

    Die Bsp. lassen sich fortführen.

    Ein grösseres Handicap für die Zukunft liegt aber an ganz anderer Stelle: den Mitarbeitern. Wenn der Konzern nun neue Wege gehen möchte, braucht er auch frisches Blut. Aber wer von den Kreativeren geht schon freiwillig zum Bosch? Die in Rankings dokumentierte Beliebtheit speißt sich einzig und allein daraus, dass Beamtenmentalität früher zum Bund ging und heute eben zum Bosch. Es ist dort alles so schön geregelt. Die rd. 1 Millionen Zentralanweisungen sorgen schon dafür.

  • Der "politisch gut verdrahtete" Vorgänger hat sich sehr stark von der Politik und deren Subventionsbudgets in Grüne Techniken treiben lassen wie die Solarenergie. Die Altindustriestaaten werden mit den schwindenden finanziellen Resourcen kaum das Geld haben diesen Unsinn weiter in heutiger Höhe zu "fördern" (subventionieren). Es ist auch unwahrscheinlich, dass Bosch in diesen Feldern im Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen Geld verdienen kann.
    Meines Erachtens bietet die Fahrzeugtechnik nach wie vor die interessanteste Perspektive. Auch wenn man in Deutschland aus (öko)religiösen Gründen irgendwann zum Eselmobil zurückkehrt, wird man diesem Trend in der restlichen Welt nicht folgen. 7 Milliarden Menschen -80 Mio. wollen mobil sein. Das eigene Auto ist das Ideal von Milliarden Menschen die bereit sind dafür einen erheblichen Teil ihres Einkommens auszugeben.

    Vandale

  • Macht Bosch nicht einen Großteil seines Gewinns mit Autotechnik? Warum sieht der neue Chef dann im Internet und bei Software die Chancen? Ist hier nicht Siemens Lichtjahre voraus? Was ist mit der gescheiterten Batterie Kooperation mit Samsung? Ist das nicht ein wichtigeres Zukunftsthema als Software und Internet, was andere wahrscheinlich viel besser machen können?

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