Volkswagen-Analyse
Die China-Frage

Volkswagen legt eine solide Bilanz für das erste Halbjahr vor. Die Baustellen werden angegangen, doch die Probleme in China bleiben die Achillesferse. Die große Frage ist: Ist die Schwäche dort nur von kurzer Dauer?
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FrankfurtDie erste Reaktion der Börsianer ist eindeutig. Volkswagen will in diesem Jahr nun bei den Auslieferungen nicht mehr „moderat“ wachsen, wie es noch im Frühjahr geheißen hatte, sondern strebt nur noch das Niveau von 2014 an. Das wären im Gesamtjahr zwar wieder mehr als zehn Millionen Autos. Doch die Anleger honorieren das mit einem Minus von mehr als einem Prozent für die Aktie.

Dass die Zeiten für die Autohersteller im Allgemeinen und für Volkswagen als einen der größten Hersteller überhaupt schwieriger werden würden, war lange klar. Nicht umsonst haben die VW-Papiere seit Mai gut 20 Prozent an Wert eingebüßt. Zu offensichtlich war, dass beispielsweise in China, wo der Konzern mehr als ein Drittel seiner Autos verkauft, die Goldgräberstimmung der vergangenen Jahre vorbei ist.

Die wird auch nicht mehr zurückkehren, eher wird eine neue Normalität Einzug halten. Das war schon länger auch vom Konzern so kommuniziert worden. Wenn es dann aber so kommt, dann sind viele eben doch überrascht.

Doch es gibt beim Blick nach vorne auch durchaus positive Aspekte. Wenn jetzt in China, wie im ersten Halbjahr geschehen, die Verkäufe um 3,9 Prozent zurückgingen, das operative Ergebnis aus den beiden Gemeinschaftsfirmen in China jedoch sogar leicht auf 2,7 Milliarden Euro stieg, dann kann das nur bedeuten, dass man sich dort nicht auf einen Preiskampf eingelassen hat, sondern um der besseren Marge willen lieber auch mal etwas weniger verkauft hat.

Hält das Management auch bei noch stärkerem Gegenwind als bisher diese Strategie durch, dann sind auch am Jahresende lediglich die ursprünglichen Verkaufsziele nicht erreicht. Umsatz und Ergebnis wären dann aber weiter im Plan. Zumal die große Mehrzahl der Experten weiter davon ausgeht, dass die generelle Marktschwäche in China im Moment nur eine Delle darstellt.

Mindestens genauso wichtig wie die Lage in China sind jedoch die Baustellen im Konzern, die sich in den vergangenen Jahren gezeigt haben. Die magere Marge bei der Kernmarke VW gehört dazu, auch das schlechte Geschäft in den USA. Hier zeichnet sich im Zahlenwerk des Zwölf-Marken-Konzerns ab, dass eifrig gearbeitet wird.

Eine Marge von immerhin 2,7 Prozent steht jetzt wieder für die Kernmarke, im Vorjahreszeitraum waren es noch 2,1 Prozent. Das ist zwar immer noch weit entfernt vom Ziel, das in etwa doppelter Höhe liegt. Aber zumindest ein Ansatz. Das Effizienzprogramm, das vor rund einem Jahr initiiert wurde, trägt erste Früchte. Mehr war zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu erwarten. Schließlich soll dessen ganze Konsequenz erst im Jahr 2018 erkennbar sein.

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  • Ach der oberschlaue Albers ist wieder in den Foren unterwegs, und gibt ungefragt zu allem und jeden seinen ewig gleichen Senf dazu. Täglich grüßt das Alberstier. Zu jedem Kommentar eine Albers-"Würdigung". Der selbsternannte Meinungs-Gott Albers kommt einem EU-KP wie dem Juncker schon sehr nahe. Alle anderen haben keine Ahnung, nur er hat Recht.

    Dabei ist er selbst wohl am verlogensten! wie der Juncker halt.

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